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Kolumbien: Sieben Tote bei Ausschreitungen nach Protesten gegen Polizeigewalt in Bogotá

In Kolumbien sind Medienberichten zufolge bei Protesten gegen Polizeigewalt mindestens sieben Menschen gestorben. Die Proteste brachen aus, nachdem ein Familienvater bei einer Polizeiaktion getötet wurde. Auch Polizisten wurden verletzt.  

Kolumbianische Spezialeinheit der Polizei in Bogotá (Archivbild). Foto: parameciorecords

In Kolumbiens Hauptstadt Bogotá sind bei gewalttätigen Ausschreitungen im Rahmen von Protesten gegen Polizeigewalt in der Nacht zum Donnerstag sieben Menschen in Bogotá getötet und über 140 Personen verletzt worden.  Das berichtet die Tageszeitung "El Tiempo". Außerdem kamen wohl drei weitere Menschen in der Nachbargemeinde Soacha ums Leben. Anlass der Demonstrationen am Mittwoch war der Tod des Familienvaters und Anwalts Javier Ordoñez, der bei einer Polizeiaktion ums Leben gekommen war.

Ein Video des Vorgehens der Polizei bei einer Festnahme hatte die Proteste ausgelöst. In dem Video ist zu sehen, wie zwei Einsatzkräfte mindestens zehnmal einen Elektro-Teaser einsetzen, während der am Boden liegende Mann mehrmals bittet, den Einsatz zu beenden. Passanten, die den Vorfall filmten, riefen die Polizisten ebenfalls zur Mäßigung auf. 

In der kolumbianischen Hauptstadt kam es daraufhin zu teils schweren Ausschreitungen. Lokale Medien berichten davon, dass Protestierende Fahrzeuge anzündeten und Steine auf Polizisten warfen. Dazu kamen Rufe wie „Mörder“ und „Gerechtigkeit" für das Opfer. 300 Menschen versuchten, die Zentrale der CAI, einer Spezialeinheit der kolumbianischen Polizei, zu stürmen und gerieten mit den Polizisten vor Ort aneinander. Bei den Protesten wurden Dutzende Polizisten attackiert und verletzt.

Bogotás Bürgermeisterin Claudia López (Grüne) kritisierte das Vorgehen der Polizei scharf als einen Autoritätsmissbrauch. Sie kündigte einen Runden Tisch an, um über die Vorbeugung und die Sanktion von Polizeigewalt zu sprechen. Die Stadt zu zerstören, werde nicht die Polizei verbessern, sagte López am Donnerstagmorgen (Ortszeit).

Präsident Iván Duque sprach in einer Fernsehansprache von "schmerzlichen Taten", die Kolumbien erlebt hätte. Er fügte hinzu: "Wir dürfen null Toleranz gegenüber denjenigen zeigen, die die Uniform entehren oder missbrauchen."  Er sprach sich außerdem für Sanktionen gegen die Verantwortlichen aus, die jedoch erst nach einer "rigorosen Untersuchung" des Falls erfolgen sollten. 

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