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Repam: Papstschreiben ist "keine Enttäuschung, sondern eine Einladung"

Repam-Generalsekretär Mauricio López (43) erklärt im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), was er vom postsynodalen Papstschreiben "Querida Amazonía" hält.

Repam Amazonas Synode Zölibat Mauricio López

Mauricio López, Repam-Generalsekretär, sieht den Weg hin zu einer Lockerung des Zölibats durch das Schreiben des Papstes nicht blockiert. Foto: Adveniat/Achim Pohl

Das länderübergreifende Netzwerk Repam (Red Eclesial Panamazonica) wurde 2014 gegründet - als Reaktion der katholischen Kirche auf die fortschreitende Zerstörung im Amazonasgebiet. An der Vorbereitung der Amazonas-Synode im Vatikan war die Organisation maßgeblich beteiligt. Nun sagt Repam-Generalsekretär Mauricio López (43) im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), was er vom postsynodalen Papstschreiben "Querida Amazonía" hält.

KNA: Herr Lopez, die ersten Reaktionen auf das päpstliche Schreiben zur Amazonas-Synode sind nicht nur positiv ausgefallen. Wie lautet das Fazit von Repam?

Mauricio Lopez: Die Aufgabe von Repam ist es, den Prozess der Synode zu begleiten - mit einem weiten Blick für die gesamte Wegstrecke. In diesem Sinne sehen wir in den Ausführungen von Franziskus keinen Widerspruch zu dem, was bisher geschehen ist. Er erwähnt alle grundlegenden Einsichten, die wir beim gemeinsamen Hören auf die Stimme Amazoniens gewonnen haben. Der Papst tritt entschlossen für die Rechte der indigenen Völker ein, für interkulturellen Dialog. Und er reflektiert einen Ansatz zur kirchlichen Ämterfrage, der Schritt für Schritt neue, progressive Wege eröffnet.

Sie sind also gar nicht enttäuscht, dass der Papst keine konkreten Schritte zur Lockerung des priesterlichen Zölibats für das Amazonasgebiet unternommen hat? Ein solcher Vorschlag stand doch im Abschlussdokument zur Synode.

Er hat das Schlussdokument der Synodenväter in der Einleitung der Exhortation ausdrücklich vorgestellt und eingebunden. Das ermöglicht es, an allem festzuhalten, was bei der Synode im Oktober beschlossen wurde. Wir sind deshalb nicht enttäuscht, sondern sehen vielmehr eine Einladung, weiterhin Wege und Kanäle einzurichten, die vielleicht zu einer Lockerung des Zölibats führen könnten. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass es dazu kommen wird. In den katholischen Ostkirchen zum Beispiel steht das Priesteramt Verheirateten jetzt schon offen. Wir reden also über etwas, das bereits existiert.

Wie geht es jetzt mit der Kirche im Amazonasgebiet und den Menschen dort weiter?

Die Lage ist so dringend, dass sie keinerlei Untätigkeit zulässt. Die Gewalt nimmt Tag für Tag zu, die Politik macht sich zum Verbündeten der großen Konzerne. Dadurch wird alles noch schlimmer und komplexer. Wir erleben Morde, Enteignung, Brandstiftung. Für die amazonische Kirche ist die Synode eine Ermutigung, weiter an der Seite der Notleidenden zu stehen und für die Bewahrung der Schöpfung zu kämpfen. Wenn wir keinen Erfolg haben, steht die Zukunft des ganzen Planeten auf dem Spiel.

Wie genau sieht die künftige Arbeit von Repam aus?

Oberste Priorität für uns hat nun die Rückkehr in die betroffenen Gebiete. In den vergangenen Monaten waren wir sehr stark in die Synodenarbeit eingebunden. In der nächsten Zeit wird es darum gehen, gemeinsam mit allen Beteiligten vor Ort die große kirchliche Amazonas-Agenda für die nächsten Jahrzehnte zu entwerfen. Wir sind davon überzeugt, dass in diesem unterschätzten Randgebiet das Potenzial steckt, um das Zentrum der Kirche zu erleuchten.

Was muss noch geschehen, damit es wirklich zu einem nachhaltigen Strukturwandel in der Amazonasregion kommen kann?

Das kann nur gelingen, wenn die dramatische Zerstörung der Umwelt durch die Holz-, Agrar-, Öl- und Bergbauindustrie endlich ein Ende findet. Dafür benötigen wir einen Paradigmenwechsel in der Entwicklung unseres Planeten. Das weltweite Konsumverhalten muss sich grundlegend ändern, wir brauchen eine gerechtere Verteilung des globalen Reichtums. Das Hauptproblem ist die "Wegwerfkultur" der heutigen Zeit, die der Papst kritisiert - gepaart mit der Vorstellung eines grenzenlosen Wachstums. Der Blick auf Amazonien zeigt schonungslos die Auswirkungen dieses gesellschaftlichen Versagens. Zugleich lässt er uns aber erkennen, dass eine Umkehr möglich ist.

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