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Panamazonas-Netzwerk Repam zählt über 11.000 Corona-Tote

Für die indigenen Völker stellt die Infektion mit dem Coronavirus eine enorme Gefahr dar. Viele Gemeinschaften haben sich bereits selbst isoliert, doch illegale Goldgräber dringen in indigene Territorien vor und schleppen die Krankheit ein.

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Für die indigenen Völker Amazoniens stellt das Corona-Virus eine enorme Gefahr dar. Viele indigene Gemeinschaften haben sich in freiwillige Selbstisolation zurückgezogen. Foto (Bootsanlegestelle im Awajún-Dorf Tsag Entsa in Peru): Adveniat/Jürgen Escher

In der neun Länder umfassenden Amazonas-Region in Südamerika sind laut Angaben des kirchlichen Amazonas-Netzwerkes Repam bereits 11.081 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Die Zahl der bestätigten Infektionen belief sich am Montag auf 292.260 Fälle. Die Sterblichkeitsrate liegt derzeit bei 4,36 Prozent. Den größten Anteil der Fälle stellt Brasilien mit 245.545 Infektionen und 9.578 Toten. Die Zahlen basieren auf Angaben der offiziellen Stellen in den entsprechenden Ländern.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnte vor einem Übergreifen der Covid-19-Pandemie auf das benachbarte Französisch-Guayana. Besonders die 9.000 Angehörigen indigener Völker, die in den Regenwäldern nahe der brasilianischen Grenze lebten, seien von dem Virus bedroht. Es seien bereits mehrere Dutzend Infektionen bei Indigenen in dem französischen Überseegebiet festgestellt worden, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

Illegale Goldgräber gefährden indigene Völker

Das Virus werde vor allem durch illegale brasilianische Goldgräber eingeschleppt, da die Grenze zu Brasilien schon seit dem 19. März 2020 geschlossen sei. "Die indigenen Wayana, Palikour, Lokono und Kalini"nia sind besonders bedroht, da ihre Dörfer abgelegen sind und medizinisches Personal sie oft nur mit Pirogen erreichen kann. Viele leiden unter Diabetes und sind daher sehr gefährdet", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius. Zahlreiche indigene Gemeinschaften hätten sich inzwischen in die Selbstisolation zurückgezogen, um sich zu schützen.

Repam wurde 2014 von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien aus dem Amazonasgebiet gegründet - als Reaktion der Kirche auf die fortschreitenden Zerstörungen in der Region. Sitz der Organisation ist Ecuadors Hauptstadt Quito. Präsident ist der brasilianische Kardinal Claudio Hummes (85), Generalsekretär der aus Mexiko stammende Mauricio Lopez (43). Ziele sind "der Schutz des Lebens, der Erde und der Kulturen". Repam setzt sich auf Grundlage der Umweltenzyklika von Papst Franziskus ("Laudato si") für die Belange der indigenen Völker ein. Mit Hilfe bereits bestehender kirchlicher Strukturen und einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit soll ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Nöte der lateinamerikanischen Ureinwohner geschaffen werden. Das Netzwerk war maßgeblich an der Vorbereitung der Amazonas-Synode beteiligt, die im Oktober im Vatikan stattfand.

(Schlussdokument der Amazonas-Synode als Download)

So hilft Adveniat im Amazonasgebiet
Mit mehr als drei Millionen Euro fördert das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat jährlich Projekte im Amazonasgebiet, darunter die Ausbildung Angehöriger indigener Völker, um gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen und die eigenen Rechte einzuklagen.