Kolumbien |

72 Tote von Bojayá-Massaker identifiziert und bestattet

Kirche in Bellavista, Bojaya, Kolumbien, Ort des FARC-Anschlags 2002. Foto: Philipp Lichterbeck/Advenait 

Behörden haben 17 Jahre nach dem Massaker im kolumbianischen Bojayá 72 identifizierte Opfer an ihre Angehörigen zur Bestattung übergeben. Wie Deutsche Welle berichtet, wurden die Särge mit den sterblichen Überresten der Opfer am Montag, den 11. November 2019  in der Kirche San Pablo Apóstol aufgebahrt. "Das ist ein Moment der Stille und des Schmerzes", so Yuber Palacios von der Opfervereinigung Bojayá gegenüber Deutsche Welle. 99 Menschen, die bei dem Angriff ums Leben kamen, wurden zunächst in einem Massengrab begraben und erst später identifiziert.

FARC-Einheiten hatten vor 17 Jahren Bojayá im Bundesstaat Chocó umstellt, nachdem sich rechte AUC-Paramilitärs in dem Dorf verschanzt hatten. Eine selbstgebaute Mörsergranate der FARC traf die Dorfkirche, in der sich zahlreiche Bewohner aufhielten - 79 Kolumbianer starben in der Kirche, darunter 44 Kinder. Bis heute ist nicht klar, wie viele Menschen bei dem Gefecht zwischen FARC und Paramilitärs insgesamt getötet wurden. Schätzungen gehen von bis zu 119 Toten aus, zudem wurden etwa 100 Personen verletzt. 

Die Vereinten Nationen verurteilten nicht nur den Anschlag der FARC, sondern werteten die Verwendung von Zivilisten als menschliche Schutzschilde seitens der Paramilitärs als Völkerrechtsbruch.  UN-Menschenrechtskommissariat warf dem kolumbianischen Saat später vor, trotz Kenntnis über die Kämpfe die Zivilbevölkerung nicht geschützt zu haben. (bb)

Weitere Nachrichten zu: Panorama