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Rios Bürgermeister lässt LGBT-Bücher beschlagnahmen

LGBT Regenbogenfahne

Rio de Janeiros evangelikaler Bürgermeister Marcelo Crivella geht per Gerichtsbeschluss gegen Bücher mit LGBTIQ-Themen auf Rios Buchmesse vor. Nachdem ein Gericht die Beschlagnahmung von Büchern erlaubt habe, hätten Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Begleitung der Polizei am Samstag. 8. September 2019 (Ortszeit), die Messe durchkämmt, berichten brasilianische Medien (Sonntag). LGBTIQ-Vertreter, Politiker und Oberste Richter beschuldigen Crivella der Zensur.

Ausgelöst wurde der Streit durch den Marvel-Comic "Young Avengers: The Children's Crusade" von 2010, in dem sich zwei der Helden küssen. Per Twitter hatte Crivella angekündigt, das Buch bei der Messe beschlagnahmen zu lassen, um Rios Kinder zu schützen. Bücher dieser Art seien in schwarzen Plastiktüten mit einem Warnhinweis zu verkaufen. Zwar versuchten Mitarbeiter der Stadt am Freitag, den Comic auf der Messe zu beschlagnahmen. Offenbar hatten Fans jedoch die komplette Auflage zuvor aufgekauft. Eine einstweilige Verfügung eines Gerichts stoppte zudem die Aktion. Am Samstag genehmigte ein anderes Gericht dann die Beschlagnahmung. Demnach verstoßen Bücher mit homosexuellen Themen gegen Kinderschutzgesetze und dürften nur eingeschweißt ausgelegt werden.

Verlage und die Organisatoren der Buchmesse wehrten sich gegen die Aktion der Stadt. Sowohl bei der Messe wie in Sozialen Medien kam es zu Protesten gegen die Beschlagnahmung. Brasiliens Oberster Richter Celso de Mello sprach von einem "Rückfall in dunkle Zeiten"; Freiheit und Demokratie seien durch die Aktion bedroht. Im August hatte Staatspräsident Jair Messias Bolsonaro Ausschreibungen für TV-Serien mit LGBT-Themen für das öffentliche Fernsehen gestoppt. Er werde keine Gelder für "Sex-Filme" bereitstellen.

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