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In Brasilien entstandener deutscher Dialekt wird erforscht

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. Foto: KU/Christian Klenk 

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) erforscht seit Kurzem eine einzigartige Spielform der deutschen Sprache in Brasilien. Beim Hunsrückisch handelt es sich um einen Dialekt, der sich seit 200 Jahren in dem lateinamerikanischen Land entwickelt. Entstanden sei Hunsrückisch durch deutschsprachige Einwanderer, die ab Anfang des 19. Jahrhunderts nach Südbrasilien übergesiedelt seien, sagte der für das Projekt verantwortliche Germanist Sebastian Kürschner im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Die meisten von ihnen kamen aus der Hunsrück-Region."

Dies habe zwei Gründe gehabt, erklärte der Forscher. "Erstens gab es dort damals mehrfach Missernten. Dadurch wurden viele Menschen auswanderungswillig. In dieser Situation betrieb Brasilien kräftig Werbung im Hunsrück und lockte die Leute mit 'ewigem Sommer'." Brasilien habe Arbeitskräfte gewinnen und den bevölkerungsarmen äußersten Süden des Landes besiedeln wollen, auch um Territorialansprüche gegenüber Argentinien zu sichern.

Hunsrückisch sei nicht einfach ein Import aus dem deutschen Südwesten. "Dieses Hunsrückisch ist originär in Brasilien entstanden, und zwar dadurch, dass die Menschen aus dem Hunsrück mit anderen deutschsprachigen Gruppen zum Beispiel aus Böhmen oder Westfalen eine gemeinsame Kommunikationsbasis finden mussten; damals wurde ja noch kaum Hochdeutsch gesprochen." Hunsrückisch habe sich also durch das Aufeinandertreffen von Deutschsprachigen unterschiedlicher Herkunft und anderen Einwanderern in einer neuen Umwelt entwickelt.

Zur Frage, warum für den neuen Dialekt ausgerechnet Hunsrückisch maßgeblich geworden sei, erläuterte Kürschner: "Die Hunsrücker zogen als Erste nach Übersee. Sie waren auch zahlenmäßig die stärkste Fraktion. Darüber hinaus ist ihr Dialekt nicht besonders tief, also dem Schriftdeutschen vergleichsweise recht nahe. Das machte es für die Deutschsprachigen aus anderen Regionen womöglich einfach, sich dem Hunsrückisch anzuschließen." So sei dann eine eigene Mundart entstanden.

Heute sei Hunsrückisch "ganz vital". Es habe 400.000 bis 1,3 Millionen Sprecher. Die Zukunft der Mundart sei jedoch ungewiss. Denn die brasilianische Regierung betreibe zurzeit eine Homogenisierungspolitik, die gesellschaftliche Minderheiten kritisch sehe.

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