Honduras |

Tod einer Hoffnungsträgerin

Ihr Einsatz für Menschenrechte kostete sie das Leben. Berta Caceres wurde am 3. März 2016 in Honduras ermordet. Foto: Twitter/AmazonWatch
Ihr Einsatz für Menschenrechte kostete sie das Leben. Berta Caceres wurde am 3. März 2016 in Honduras ermordet. Foto: Twitter/AmazonWatch

Nach offiziellen Angaben wurde Berta Caceres Opfer eines gewöhnlichen Raubüberfalls. Die prominente und populäre Umweltschützerin sei in ihrem Haus in Honduras von Einbrechern überrascht und erschossen worden, teilten die Sicherheitskräfte in einer ersten Einschätzung mit. Caceres starb am Donnerstag, 3. März 2016, einen Tag vor ihrem 43. Geburtstag.

Doch die Anhänger der mit dem renommierten Goldman-Preis ausgezeichneten Menschenrechtlerin und Umweltschützerin glauben dieser Version nicht. "Berta Caceres - eine Märtyrerin der Umweltschützer", schreibt die Tageszeitung "La Tribuna". "Sie war eine furchtlose Heldin für die Umwelt", sagte John Goldman, Präsident der Goldman-Umweltstiftung in einer ersten Stellungnahme. Sie habe die Risiken ihrer Arbeit gekannt, doch das habe sie nicht davon abgehalten, sich mit beeindruckender Kraft und Überzeugung für ihre Gemeinschaft einzusetzen."

In den sozialen Netzwerken fordern internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International (AI) oder OXFAM die rückhaltlose Aufklärung der Bluttat: "Eine Tragödie, die zu erwarten war", twitterte AI. Auch die honduranische Regierung verurteilte den Mord, wies aber jede Mitverantwortung von sich. Minister Jorge Ramon Hernandez Alcerro erklärte gegenüber honduranischen Medien, die Regierung des mittelamerikanischen Landes habe die von der Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) geforderten besonderen Schutzmaßnahmen umgesetzt. Caceres sei nicht in ihrem bei der Regierung gemeldeten Wohnhaus in Libano ums Leben gekommen, sondern in einer anderen Unterkunft in El Calvario. Weil diese Daten nicht registriert gewesen seien, hätte es dort auch keine besonderen Schutzmaßnahmen geben können, zitierten honduranische Medien den Politiker. In anderen Berichten heißt es dagegen, Caceres habe bewusst den Wohnort gewechselt, weil sie sich nicht mehr sicher gefühlt habe.

Caceres erhielt Morddrohungen

Zuletzt hat es nach Angaben der Familie des Opfers immer wieder Morddrohungen gegen die vierfache Mutter gegeben. Zwei ihrer Kinder hätten das mittelamerikanische Land, das als eines der gefährlichsten Länder der Welt gilt, bereits aus Sicherheitsgründen verlassen. Caceres galt wegen ihres unerschrockenen Einsatzes für die Rechte der Lenca-Indigenen als besonders gefährdet, zudem setzte sich gegen den Bau von umstrittenen Staudamm-Projekten zu Wehr, weil diese die Siedlungsgebiete der Lenca-Indigenen bedrohten. Wie ernst die Bedrohung war, hatte Caceres laut Medienberichten erst in der vergangenen Woche betont, als sie über die Ermordung und Bedrohung enger Mitstreiter berichtete.

Angehörige und Freunde sprechen von Auftragsmord

Familienangehörige schenken deshalb den offiziellen Erklärungen der Sicherheitskräfte keinen Glauben. "Ich habe keinen Zweifel, dass sie wegen ihres Kampfes getötet wurde und dass Soldaten und Leute von dem Staudamm dafür verantwortlich sind", sagte Caceres 84-jährige Mutter dem Radiosender Globo. "Ich mache die Regierung verantwortlich." Eine Mitstreiterin von Caceres erklärte, das Opfer sei von vier Pistolenschüssen niedergestreckt worden. Das deutet auf einen gezielten Auftragsmord hin. Noch am Nachmittag versammelten sich hunderte Unterstützer der Aktivistin, um vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft eine unabhängige internationale Untersuchung des Mordes zu fordern.

Menschenrechtsaktivisten werden in Honduras verfolgt

Die von Caceres mitgegründete honduranische Menschenrechtsorganisation COPINH hatte erst am 20. Februar einen Protestmarsch gegen das Megastaudamm-Projekt Agua Zarca organisiert. Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Armee, der Polizei, lokalen Politikern und Mitarbeitern des Staudamm-Unternehmens. Neben einem chinesischen Investor sind auch europäische und deutsche Firmen an dem Projekt beteiligt.
Victoria Tauli, UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker, erklärte in einer ersten Reaktion, sie sei geschockt und bestürzt. Es gebe in Honduras eine klare Tendenz, das indigene Aktivisten und Menschenrechtler offenbar getötet werden sollen. Honduras gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Menschenrechtsaktivisten. Allein im Zeitraum zwischen 2010 und 2014 seien 101 Aktivisten getötet worden. Tomas Garcia, der mit Caceres an der Spitze von COPINH stand, wurde bereits 2013 während einer Demonstration erschossen.

Quelle: KNA, Autor: Tobias Käufer, Foto: Twitter/AmazonWatch