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Peru |

Staatliches Milchprogramm ineffektiv

Der Rechnungshof von Peru hat ein Ernährungsprogramm für arme Bevölkerungsgruppen für ineffektiv erklärt. Laut einer neuen Studie nutzt das ´Programa de Vaso de Leche´ (Ein-Glas-Milch -Programm) vor allem den beteiligten Lieferunternehmen.

Die unter dem Kürzel ´PVL´ bekannte Initiative gilt als bislang bedeutendster Sozialplan des peruanischen Staates. Zurzeit werden dadurch 2,7 Millionen Menschen mit Milchprodukten versorgt. Fast 60 Prozent von ihnen sind Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren. Berücksichtigt werden außerdem schwangere Frauen, ältere Menschen, Tuberkulose-Kranke, Menschen mit Behinderung und Kinder zwischen sieben und 13 Jahren.

Wie aus einer Studie des Rechnungshofes hervorgeht, wurde das Programm aber nicht vorschriftsmäßig umgesetzt. Jede Nahrungsration soll eigentlich mindestens 207 Kalorien enthalten. Den Untersuchungen zufolge erfüllten 2009 jedoch nur vier Prozent aller verteilten Portionen dieses Kriterium.

Für die Versorgung Bedürftiger in den 1.834 Gemeinden des südamerikanischen Landes stellt die Regierung jährliche Zuschüsse von umgerechnet etwa 135 Millionen US-Dollar bereit. Die Gemeinden sind verantwortlich für die Verteilung der Lebensmittel und müssen auch darauf achten, dass sie den vorgesehenen Nährwert haben.

Unternehmen machten satte Gewinne

Laut dem Bericht hat das Programm fünf Unternehmen in der Hauptstadt Lima zu glänzenden Geschäften verholfen. Sie lieferten 38,3 Prozent der im Rahmen von PVL landesweit benötigten Nahrungsmittel. Bei den meisten dieser Firmen handelt es sich nicht um Hersteller, sondern um Zwischenhändler.

Das Unternehmen ´Niisa Corporation´, das ein Fünftel aller Lieferungen bestreitet, produziert Kondensmilch nicht selbst, sondern beschafft sie sich von Produzenten. Vor allem der Konsum von Büchsenmilch treibe die Kosten weiter in die Höhe, kritisierte der Vorsitzende des Rechnungshofes, Fuad Khoury.

Die Gemeinden müssen deshalb immer tiefer in die Tasche greifen. Zu Beginn der fünfjährigen Amtszeit von Staatschef Alan García kostete eine Dose Kondensmilch umgerechnet 1,46 Dollar. 2009 war der Preis bereits auf 2,11 Dollar geklettert. Der Preis für die weniger genutzte Frischmilch stieg in dem Zeitraum hingegen von 34 auf 48 Cent nur geringfügig an.

Keine guten Preise

"Die wichtigsten Lieferanten für das Programm machen keine guten Preise, obwohl ihnen die Gemeinden große Mengen an Milcherzeugnissen abnehmen", sagte Jesús Arias, der für den Rechnungshof tätig ist. Den Gemeinden warf er vor, entgegen gesetzlicher Vorschriften nicht nach den günstigsten Angeboten zu suchen.

Der Untersuchung zufolge wurde im Rahmen von PVL 2009 Dosenmilch im Wert von 6,6 Millionen Dollar gekauft. 73 Prozent davon stammten von ein- und demselben Produzenten, der aber keine direkten Geschäfte mit den Gemeinden tätigte sondern an die Zwischenhändler verkaufte.

Juan Carlos Cuadras, der beim Rechnungshof das Milchprogramm überwacht, forderte, dass PVL künftig von einer nationalen Behörde koordiniert werden solle. Diese solle den gesamten Einkauf zu den jeweils günstigsten Marktpreisen gewährleisten. Zudem soll sichergestellt werden, dass die Nahrungsrationen die erforderlichen Kalorien beinhalten und den Bedürfnissen in den unterschiedlichen Regionen Perus entsprechen.

In der Regel wird den Milcherzeugnissen Getreide oder Mehl beigemischt. Um den Kaloriengehalt zu erhöhen, wird laut Rechnungshof der Milch zunehmend Zucker in größeren Mengen zugesetzt. Vorgeschrieben ist jedoch eine Mischung aus mindestens zwei nahrhaften Nahrungsmitteln.

Zahl der bedürftigen Kleinkinder gestiegen

Zurzeit sei man von den Informationen der Gemeinden abhängig, beanstandete Cuadras. Ein Viertel von ihnen habe jedoch keinerlei Auskünfte über die Umsetzung des Plans 2009 erteilt.

Khoury zufolge gibt es keinen Grund, warum das 1985 landesweit eingeführte Programm nicht zentral verwaltet wurde. "Für den Staat bedeutet PVL eine hohe soziale Investition. Das Ergebnis ist aber nicht befriedigend", kritisierte er.

Zwischen 2004 und 2009 ist die Zahl der Menschen, die die Nahrungsergänzung erhalten, von 2,9 Millionen auf 2,7 Millionen zurückgegangen. Der Anteil der Säuglinge und Kinder bis sechs Jahren stieg jedoch von 643.000 auf 668.000. Gerade die Jüngsten sind in Gefahr, trotz des Programms unterversorgt zu bleiben.

Autor: Angel Paéz, IPS-Weltblick

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