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Präsident fordert erneut Entschuldigung des Papstes

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador forderte die römisch-katholische Kirche in einem Brief an Papst Franziskus auf, sich für die Gräueltaten an indigenen Völkern während der Eroberung Mexikos im 16. Jahrhundert zu entschuldigen.

Papst Franziskus bei einer Messe in der Basilika von Guadalupe in Mexiko-Stadt 2016. Foto: Marko Vombergar/Aleteia Image DepartmentCC BY 2.0

In dem zweiseitigen Schreiben bittet López Obrador den Papst zudem, Mexiko alte präkolumbische Dokumente, die sich in der Bibliothek des Vatikans befinden, auszuleihen. Sie sollen im kommenden Jahr in Mexiko ausgestellt werden, wenn das Land den 500. Jahrestag der Conquista, der Eroberung des Aztekenreiches durch die Spanier, begeht. Mexikos Regierung plant dann eine Reihe von Veranstaltungen. 

Eines der drei erbetenen Kodizes oder Bücher ist der Codex Borgia, ein besonders farbenfrohes Faltbuch, das sich über Dutzende von Seiten erstreckt und Götter und Rituale aus dem alten Zentralmexiko zeigt. Es ist eines der am besten erhaltenen Beispiele für aztekische Schriften vor der Eroberung. Die katholischen Behörden im Mexiko der Kolonialzeit haben diese Kodizes als Werk des Teufels katalogisiert und in den Jahrzehnten nach der Eroberung von 1521 Hunderte oder sogar Tausende von ihnen verbrannt.

"Akt der historischen Reue"

In seinem Brief bittet López Obrador den Vatikan, den Codex Borgia sowie zwei weitere alte Kodizes der Nahuatl- und Tolteken-Chichimeken-Kultur sowie Karten der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán vorübergehend für das Jahr 2021 zurückzugeben. Man werde die Schriften mit aller notwendigen Sorgfalt und Sicherheit behandeln. López Obrador wiederholte zudem seine Bitte, dass sich die katholische Kirche neben dem derzeitigen spanischen König Felipe VI. öffentlich für die nach der Eroberung Mexikos begangenen „schändlichen Gräueltaten“ entschuldigt, die die Ureinwohner erlitten, die Plünderung ihrer Güter und ihres Landes, sowie ihre kulturelle und religiöse Unterwerfung „von der Eroberung bis in die jüngste Vergangenheit“. „Ich nutze diese Gelegenheit, um darauf zu bestehen, dass anlässlich des Jahrestages dieser Ereignisse sowohl die katholische Kirche, die spanische Monarchie als auch der mexikanische Staat den Ureinwohnern eine öffentliche Entschuldigung anbieten müssen.“ Eine solche Geste würde einen „Akt der historischen Reue“ darstellen, schreibt der mexikanische Präsident.

Die katholische Kirche spielte eine Schlüsselrolle bei der Kolonisierung Amerikas und der Einrichtung von Missionen, um die Ureinwohner zum Christentum zu bekehren. Im vergangenen Jahr bat López Obrador Spanien um eine Geste der Entschuldigung für die Conquista, was die Regierung in Madrid jedoch rundweg ablehnte. Papst Franziskus dagegen entschuldigte sich 2015 bei Bolivien für die Rolle der Kirche bei der Unterdrückung in Lateinamerika während der spanischen Kolonialzeit.

In dem an den Past adressierten Schreiben, das auf den 2. Oktober datiert ist, aber erst am vergangenen Wochenende veröffentlicht wurde, bittet Mexikos Präsident die Kirche darüber hinaus, um eine versöhnliche Erklärung zugunsten des Unabhängigkeitsführers Miguel Hidalgo y Costilla, von dem einst angenommen wurde, dass er von der Kirche wegen seiner Beteiligung am Unabhängigkeitsaufstand exkommuniziert wurde. Forscher fanden später heraus, dass Hidalgo wohl seine „Sünden“ gestand, bevor er hingerichtet wurde, und daher nicht exkommuniziert wurde. „Ich denke, es wäre ein Akt der Demut und gleichzeitig der Größe“, wenn sich die Kirche posthum mit Hidalgo versöhnt, heißt es in dem Brief. Einige Zeilen zuvor erinnert López Obrador daran, dass es zwei Priester waren, eben jener Miguel Hidalgo y Costilla und José María Morelos y Pavón, die zu den Waffen griffen, um für die Unabhängigkeit Mexikos zu kämpfen, die sich im kommenden Jahr zum 200. Mal jährt.

Leihgaben aus Deutschland?

Der Brief wurde in Rom von López Obradors Frau, Beatriz Gutiérrez Müller, übergeben, die sich nach einem Treffen mit dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella am Freitag im Vatikan mit Papst Franziskus traf. Die Präsidentengattin reist derzeit durch Europa, um Leihgaben mexikanischer Kulturschätze zu erbitten, die in europäischen Museen lagern. Sie wird auch in Deutschland und Österreich Halt machen, wo im Kunsthistorischen Museum in Wien die Federkrone Moctezumas, des vorletzten Aztekenherrschers, aufbewaht wird. Moctezuma hatte sie Hernán Cortés als Zeichen der Freundschaft geschenkt. Eine Leihe aber erscheint unwahrscheinlich, ob des fragilen Zustandes der Federkrone.

Der Vatikan hat seinerseits noch nicht auf das Schreiben López Obradors reagiert, aber seine Museen und Archive haben in der Vergangenheit auf ähnliche Anfrage aus anderen Ländern hin verschiedene Manuskripte und Kunstwerke ausgeliehen.