Brasilien |

Einsam und verarmt: João Gilberto ist tot

Der Brasilianer galt als einer der größten Musiker seines Landes – und als Vater des Bossa Nova. Zuletzt lebte der legendäre Sänger und Gitarrist João Gilberto krank und verschuldet in seiner Wohnung in Rio.

João Gilbertos Album "The Boss of the Bossa Nova" von 1962. Foto: Comunicom, CC BY-SA 2.0

Gilberto wurde 88 Jahre alt. Seit Jahren hatte er sich zurückgezogen und seine Wohnung in Rio nicht mehr verlassen, ein Familienstreit zwischen seinen Kindern und seiner letzten Ehefrau wurde jedoch in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Der Musiker sei schwer krank und hoch verschuldet gewesen, heißt es in brasilianischen Medien. "Mein Vater hat versucht, seine Würde zu bewahren, während er seine Eigenständigkeit immer weiter verlor", schrieb sein Sohn João Marcelo Gilberto auf Facebook.

Der Sänger und Gitarrist gelangte als Vater des Bossa Nova zu Weltruhm. Nach seinem Tod huldigen ihm viele Weggefährten. "João Gilberto ist von uns gegangen, das größte Genie der brasilianischen Musik", schrieb die Sängerin Gal Costa auf Instagram. "Er wird sehr vermisst werden. Sein Erbe hat eine große Bedeutung für Brasilien und die Welt."

Unvergessen: "The Girl From Ipanema"

Gilberto brach mit 16 Jahren die Schule ab und zog nach Salvador, um Musik zu machen. Später ging er nach Rio de Janeiro und schloss sich dort der Gruppe Garotos da Lua an. Zwar nahm er bereits damals einige Singles auf, zunächst allerdings mit überschaubarem Erfolg, bis er den typischen Rhythmus des Bossa Nova erfand. Bei der "Neuen Welle" der brasilianischen Musik handelte es sich um eine moderne Mischung von Samba und Jazz.

Für die Arrangements seiner Lieder arbeitete er auch immer wieder mit dem deutsch-amerikanischen Komponisten Claus Ogerman zusammen. Als erster großer Bossa-Nova-Hit gilt "Chega de Saudade" (Nie mehr Sehnsucht), das von Antônio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes geschrieben und von Gilberto interpretiert wurde. Mit seiner Album-Trilogie "Chega de saudade" (1959), "O amor, o Sorriso e a Flor" (1960) und "João Gilberto" (1961) machte er den Bossa Nova auch außerhalb von Brasilien populär. "Das Mädchen aus Ipanema" beispielsweise wurde zunächst von Gilbertos erster Frau Astrud auf Portugiesisch eingesungen, später aber ins Englische übersetzt und von zahlreichen Künstlern interpretiert, darunter von Frank Sinatra.

Für sein Werk wurde Gilberto mit zwei Grammy-Awards ausgezeichnet, sechsmal war er nominiert. "Das ist ein monumentaler Verlust, nicht nur für den Bossa Nova, sondern für die gesamte brasilianische Musik", sagte der Journalist und Bossa-Nova-Experte Ruy Castro im Fernsehsender Globo TV. Für den Sänger Caetano Veloso war João Gilberto "der größte Künstler überhaupt". (rb/haz (afp, ap, dpa, rtr))

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