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ComVoMujer - Entwicklungszusammenarbeit für Frauenrechte

14 der 25 Länder mit der höchsten Mordrate an Frauen befinden sich in Lateinamerika und der Karibik. Foto (Symbolbild): Adveniat/Pohl
14 der 25 Länder mit der höchsten Mordrate an Frauen befinden sich in Lateinamerika und der Karibik. Foto (Symbolbild): Adveniat/Pohl

"Dass ein Mann zuhause bleibt, um auf die Kinder aufzupassen, oder dass Hausarbeit gleichwertig verteilt wird, habe ich hier noch nie gesehen", berichtet die Journalistin Hildegard Willer. Mit "hier" meint sie Peru, ihre südamerikanische Wahlheimat.

Willers Aussage steht symbolisch für eine Kultur des Patriarchats in Peru und weiten Teilen Südamerikas. Diese "kolonial-machistisch-patriarchale" Gesellschaft, wie die Theologin Sandra Lassak sie bezeichnet, bringt Diskriminierung, Gewalt und Tod hervor. "Geschlechterspezifische Morde sind der letzte Akt in einer Reihe von Gewalttaten. Die Menschen nehmen die tödliche Kette der Ereignisse, die zu diesen Morden führt, oft nicht wahr", sagt Adriana Quiñones, UN-Frauenbeauftragte für Guatemala, "häusliche Gewalt beginnt nicht mit Mord, sondern die Gewalt eskaliert und kann schlussendlich zum Mord führen. Wir haben in Lateinamerika eine sehr hohe Toleranzgrenze gegen über Gewalt gegen Frauen". Deutschland hilft dabei, das zu ändern.

Deutsche Entwicklungsarbeit fördert Frauenrechte

Geschlechtsspezifische Gewalt ist in Südamerika noch weit verbreitet 30 bis 50 Prozent der Frauen in der Region sind körperlicher Gewalt durch ihre Partner ausgesetzt, so die Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation. Lima gehört zu den fünf gefährlichsten Städten für Frauen weltweit. Auf Platz sechs folgt Mexiko-Stadt. Insgesamt sind 14 der 25 Länder mit der höchsten Mordrate an Frauen in Lateinamerika und der Karibik zu finden.

Diese problematische Situation für Frauen ist auch in den Fokus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gerückt. Im Auftrag des Bundesminsteriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) führt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) seit 2010 das Projekt "ComVoMujer" zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika durch. Ziel ist es, in Peru, Ecuador, Bolivien und Paraguay einen Prozess des gesellschaftlichen Umdenkens zu unterstützen.

Zwar haben die Staaten Gesetze, Konventionen und Pläne unterschrieben, die die Gewalt eindämmen und verhindern sollen, aber es scheitert häufig am fehlenden Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen staatlichen und privaten Akteuren. Hier kommt ComVoMujer ins Spiel: Die Projektverantwortlichen bringen die Akteure zusammen und entwickeln Strategien, um Gewalt präventiv zu verhindern. Dazu gehören öffentliche Aktionen wie Kampagnen, Plakate, Workshops und Straßenaktionen. Des Weiteren stehen Schulungen, Studien und Beratungen auf dem Programm, sowohl in privaten Unternehmen als auch in öffentlichen Einrichtungen, wie Ministerien, Schulen und bei der Polizei. Peru und Paraguay führten das Gütesiegel "Sicheres Unternehmen frei von Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen" ein; es entstand die Smartphone-App "Junt@s", mit denen Frauen nur durch einen Knopfdruck die Notfallzentrale erreichen können. Auch der Kinder-Lern-Parcours "Mitmachen macht Mut" gehört zu den Maßnahmen, die in den letzten Jahren entwickelt wurden.

Gewalt gegen Frauen mindert Wirtschaftsleistung

Gemeinsam mit der Universität San Martin de Porres, Lima, hat ComVoMujer Studien über die Folgekosten von Gewalt an Frauen für Unternehmen erarbeitet. Die Ergebnisse zeigen: Mittlere und große Unternehmen verlieren allein in Bolivien, Peru und Paraguay jedes Jahr mehr als 14 Milliarden Euro durch Gewalt gegen Frauen. "Mitarbeiter, die Gewalt ausüben, und Mitarbeiterinnen, die von Gewalt betroffen sind, arbeiten oft unkonzentrierter, machen häufiger Fehler und haben mehr Arbeitsunfälle all das führt zu einer geringeren Produktivität des Unternehmens", erklärt die Leiterin von ComVoMujer, Christine Brendel. "Wirtschaftsunternehmen können ein starker Partner bei der Prävention von Gewalt gegen Frauen sein, wenn ihnen bewusst wird, wie negativ sie das Geschäft beeinflusst." Seit Durchführung der Studie haben mehr als 500 Unternehmen beschlossen, sich in der Prävention zu engagieren und aktiv gegen Gewalt gegen Frauen vorzugehen.

"Uns ist es in den vergangenen acht Jahren gelungen, das Thema Gewalt gegen Frauen auf die politische Agenda in Peru, Bolivien, Ecuador und Paraguay zu setzen und die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Akteuren und der Zivilgesellschaft zu verbessern", sagt Brendel. Zusätzlich konnte auch der Privatsektor als Partner hinzugewonnen werden.

Feminizide ein großes Problem in Lateinamerika

"In Lateinamerika ist das soziale und wirtschaftliche Niveau mindestens so wichtig wie das Geschlecht", sagt Hildegard Willer. So haben Frauen der Mittel- und Oberschicht in der Regel gute Berufschancen diese seien aber auf den Rücken der armen Frauen gebaut, die schlecht bezahlt werden und über keinerlei Schutz verfügen, während sie auf die Kinder aufpassen und Hausarbeit verrichten müssten. Obwohl viele neue Gesetze für Frauenrechte erlassen worden seien, befänden sich die Frauen weiterhin in einer diskriminierten Position, sagt Sandra Lassak. Die Zahl der Morde an Frauen, weil sie Frauen sind, sogenannte Feminizide, ist gestiegen und die Vergewaltigungsrate sehr hoch, so Lassak. Guatemala, Honduras, Venezuela und Bolivien sind die Länder, die die meisten weiblichen Mordopfer zu verzeichnen haben. Das Thema sei auch in Peru nun deutlich stärker in den Medien und in der Öffentlichkeit zu finden, erzählt Willer. Bei einer Studie der La Católica Universität in Lima gaben 23 Prozent junger Frauen an, in öffentlichen Verkehrsmitteln unsittlich berührt worden zu sein. "Frauen sind in vielfacher Hinsicht männlich-patriarchaler Kontrolle unterlegen sowie physischer, psychischer, symbolischer, struktureller und kultureller Gewalt ausgeliefert", fasst Willer die vielschichtige Problematik zusammen.

Kirche muss sich mehr engagieren

Sandra Lassak sieht vor allem die Rolle der Kirche in der Macho-Gesellschaft kritisch. Kardinal Juan Luis Cipriani, Erzbischof von Lima, sorgte 2016 für einen Eklat, als er in einer Radiosendung sagte, dass die Art und Weise, wie sich Frauen anziehen, sexuelle Übergriffe provozieren würde. Lassak prangert an, dass die Kirche ihren Teil dazu beitragen würde, dass es keine Möglichkeit zur Abtreibung und keine umfassende Sexualerziehung gebe, sondern nur moralisierende Diskurse zu diesem Thema verbunden mit einseitigen traditionellen und untergeordneten Frauenrollen. Das sei jedoch nicht nur ein Problem der katholischen Kirche, sondern auch die evangelikale und (neo-)pentekostale Bewegung spielten eine tragende Rolle für die Verbreitung diskriminierender Frauenbilder.

Autor: André Wielebski

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