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"Wo bist Du, Joao Gilberto?" - TV-Premiere zu Bossa-Nova-Legende

Eine Doku über die Suche nach der brasilianischen Bossa-Nova-Legende Joao Gilberto, der sich vor 30 Jahren radikal aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Spannender und melancholischer Film über Musik, Kunst und Leidenschaft.

Bossa Nova, Brasilien, João Gilberto

João Gilbertos Album "The Boss of the Bossa Nova" von 1962. Foto: Comunicom, CC BY-SA 2.0

"Seit dreißig Jahren", schrieb der deutsche Journalist Marc Fischer, "versteckt er sich in seinem Zimmer und lebt allen Menschen entgegengesetzt: Er steht auf, wenn alle anderen schlafen gehen; er legt sich hin, wenn andere aufstehen, wie ein Gespenst. Kaum jemand bekommt ihn je wirklich zu Gesicht." In seinem Buch "Hobalala - Auf der Suche nach Joao Gilberto" schilderte er die Suche nach einem Phantom.

Die Suche nach einem "Phantom"

Der 2019 mit 88 Jahren gestorbene Gilberto galt als die Seele des Bossa Nova, der Ende der 1950er-Jahre in Rio de Janeiro die brasilianische Musik revolutionierte. Auch wenn der Sänger und Gitarrist selbst nur wenige Lieder schrieb, wurde er durch seine besondere Art rhythmischer Evergreens wie "Girl from Ipanema", "Chega de Saudade", "Hobalala" oder "Corcovado" mit leiser Gitarre und sanfter Stimme weltbekannt.

Fischer befragte Freunde, Angehörige und Kollegen und suchte in den Straßen von Rio, aber auch in dem brasilianischen Provinzstädtchen Diamantina nach dem Musiker. Sein facettenreiches Porträt zeichnete das Bild eines eigenwilligen, extrem perfektionistischen Musikers, der sich vor der Vereinnahmung durch die Musikindustrie in die Einsamkeit flüchtet.

Romantische Detektivgeschichte

Der Text liest sich weniger wie ein Sachbuch als vielmehr wie eine romantische Detektivgeschichte. Am Ende kehrte Fischer Brasilien den Rücken, ohne den greisen Musiker getroffen zu haben: "Warum haben wir ihn nicht gefasst, Watson? Wir haben doch alles versucht!", fragte er seine brasilianische Assistentin. "Weil die Sehnsucht nicht zu fassen ist, Sherlock, von niemandem. Und Joao ist die Sehnsucht selbst."

Als Fischer nach Berlin zurückkehrte, war dort "nichts mehr so, wie es vorher war", heißt es am Ende des Buches. Eine Anspielung auf die Beziehung zu einer Frau, die während seiner Zeit in Rio zu Ende gegangen war. Eine Woche vor Erscheinen des Buches nahm Fischer sich 2011 das Leben.

Verfilmung folgt der Spurensuche wie einer Schatzkarte

Auch der Schweizer Filmemacher Georges Gachot hatte wiederholt versucht, Joao Gilberto zu treffen. Bereits 2003 drehte er erste Dokumentationen über brasilianische Musik. Im Jahr 2010 weilten Gachot und Fischer fast gleichzeitig im Strandviertel Ipanema in Rio de Janeiro, ohne sich jedoch zu begegnen.

Doch "Wo bist du, Joao Gilberto?" ist keine herkömmliche Buchverfilmung. Gachot nutzt Fischers sehr poetischen Text eher wie eine Schatzkarte, als eine Art Reiseführer in eine verbotene Region. Er knüpft an Fischers Kontakte an, zunächst bei seiner brasilianischen Assistentin Rachel, die im Buch immer "Watson" genannt wird, und zu den wenigen Personen, die mit Gilberto direkten Umgang hatten: sein Manager Otavio, seine zweite Frau Miucha sowie die Fernsehjournalistin Claudia, die zum Zeitpunkt des Drehs Ende 30 war und mit Gilberto eine damals sechsjährige Tochter hatte.

Der Film von 2018 folgt den Orten von Fischers Suche, führt durch die Copacabana und Ipanema, in die Innenstadt von Rio und in die Provinz Minas Garais, wo sich Gilberto in den 1950er-Jahren in der Toilette seiner Schwester einschloss und dort stundenlang Gitarrenakkorde spielte, um seinen eigenen Stil zu finden, seine "Formel", wie es ein Schallplattenhändler bezeichnet.

Hommage an Bossa Nova

"Wo bist du, Joao Gilberto?" ist ein ebenso spannender wie melancholischer Film auf den Spuren von Marc Fischer. Es geht nicht darum, warum Fischer sich das Leben genommen hat; am Ende, so der Film, habe ihn seine Sehnsucht getötet. Dieser Sehnsucht, einer bedingungslosen Leidenschaft für eine aussichtslose Suche nachzugehen, spürt auch Gachot nach: "Ich wollte Joao Gilberto nicht stören. Ich wollte nur, dass er für Fischer dieses Lied 'Hobalala' singt. Ich wollte kein Interview mit ihm führen. Gilberto ist jemand, der über seine Musik wirkt und nicht über das, was er sagt."

Über diese Recherche und im Verbund mit Archivbildern und Originalaufnahmen vermittelt der Film eine Menge über die legendäre Zeit der brasilianischen Musik, die 1964 durch den Militärputsch und die 18-jährige Diktatur jäh beendet wurde. "Wo bist du, Joao Gilberto?" ist eine Hommage an den Autor Marc Fischer und an den Musiker Joao Gilberto, aber auch eine Hommage an den Bossa Nova, an ein Brasilien zwischen Lebensfreude und Melancholie.

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