Brasilien |

Skandalöser Umgang mit Menschen mit Behinderung

(Symbolfoto: Mike Goad/Flickr, CC0 1.0)
(Symbolfoto: Mike Goad/Flickr, CC0 1.0)

Tausende Kinder und Erwachsene mit Behinderung leben in brasilianischen Heimen und Anstalten unter unmenschlichen Bedingungen. Zu diesem Schluss kommt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in einem am Mittwoch vorgestellten Bericht. Oft würden Menschen mit Behinderung bereits als Kinder eingewiesen und dann von der Gesellschaft vergessen. Von der Regierung forderte HRW, den Betroffenen eine Chance auf Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen.

In dem Bericht mit dem Titel "Sie bleiben, bis sie sterben" beschreibt HRW eine oftmals grausame Behandlung behinderter Menschen. So glichen die Heime oft Gefängnissen, wo die Betroffenen an ihre Betten festgeschnallt und mit Medikamenten ruhiggestellt würden. Zudem mangele es in den Heimen an grundlegenden Dingen wie Hygiene sowie ausreichender und gesunder Ernährung.

Besonders kritische Situation bei Kindern

Oft würden Menschen mit Handicap gegen ihren Willen in den Heimen festgehalten, was gegen bestehende Gesetze verstoße. "Die Menschen mit Behinderung in Anstalten einzusperren, ist eine der schlimmsten Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung", so HRW. In der Gesellschaft herrsche fälschlicherweise die Meinung vor, dass Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen kein normales Leben inmitten der Gesellschaft führen könnten.

Besonders erschreckend sei die Situation bei Kindern mit Behinderung, so die Menschenrechtler. Obwohl sie per Gesetz nur maximal 18 Monate in einer Anstalt untergebracht werden dürften, würden die Heime für viele zu einem dauerhaften Zuhause. Die wenigsten Kinder hätten dabei Zugang zu Bildungseinrichtungen. Den Eltern fehlten oft die Mittel, die betroffenen Jungen und Mädchen selbst zu betreuen. Andere schöben ihre Kinder mit Absicht auf ewig in die Anstalten ab. HRW hatte für die Recherchen zu dem Bericht eigenen Angaben zufolge 19 Anstalten in ganz Brasilien besucht und 171 Betroffene interviewt.

Quelle: KNA