Nicaragua |

Route des Nicaragua-Kanals festgelegt

Bislang ohne Konkurrenz: Der Panamakanal. Foto: Enrique. CC BY-NC-SA 2.0
Bislang ohne Konkurrenz: Der Panamakanal. Foto: Enrique. CC BY-NC-SA 2.0

Das chinesische Unternehmen HKND hat die Route des geplanten Kanals durch Nicaragua bekanntgegeben. Die Wasserstraße solle von der Flussmündung des Rio Punta Gorda an der Karibik-Küste durch den Nicaragua-See im Landesinneren bis zur Mündung des Rio Brito auf der Pazifikseite führen, sagte der HKND-Ingenieur Dong Yunsong am Montag. Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen.

Zwei Häfen und Jährlich 5.100 Schiffe

Der Kanal wird demnach 278 Kilometer lang und 230 bis 530 Meter breit. Zwei Schleusen sollen die Wasserstandsunterschiede ausgleichen. Die Fahrt durch die Wasserstraße wird etwa 30 Stunden dauern.

HKND rechnet damit, dass jährlich 5.100 Schiffe den Kanal durchqueren. Mit dem Projekt will Nicaragua dem Panama-Kanal Konkurrenz machen, der derzeit für eine neue Klasse von Frachtschiffen erweitert wird.
An den beiden Küsten ist jeweils ein Hafen geplant. In Brito an der Pazifikküste soll eine Freihandelszone entstehen, in Rivas nahe dem Nicaragua-See wird ein Flughafen gebaut.

Naturschützer kritisierten bereits im Vorfeld die Streckenführung durch den Nicaragua-See. Der See ist das größte Trinkwasserreservoir Mittelamerikas. Die Havarie eines Öltankers könnte die Wasserversorgung der ganzen Region gefährden. Gegner des Kanals bezweifeln zudem, dass die bislang recht unbekannte HKND in der Lage ist, das rund 40 Milliarden Dollar teure Großprojekt zu stemmen.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Mit der Wasserstraße will Nicaragua dem Panama-Kanal Konkurrenz machen, der derzeit für eine neue Klasse von Frachtschiffen erweitert wird. Jährlich nutzen ihn rund 14.300 Frachter und Tanker. Der Nicaragua-Kanal ist gleich für die derzeit größte Schiffsklasse mit einer Ladekapazität von rund 400.000 Tonnen ausgelegt.

Als zweitärmstes Land Lateinamerikas verspricht sich Nicaragua von dem Kanal einen wirtschaftlichen Aufschwung. Fünf Prozent des Welthandels könnten künftig über die Wasserstraße abgewickelt werden, prognostiziert HKND. Zudem entstünden 200.000 Arbeitsplätze. (cw)