Peru |

Prozessauftakt im Fall "Baguazo"-Massaker

Polizeieinheiten räumen 2009 eine von Indigenen besetzte Straße mit Waffengewalt. Foto: powless. CC BY 2.0.
Polizeieinheiten räumen 2009 eine von Indigenen besetzte Straße mit Waffengewalt. Foto: powless. CC BY 2.0.

Fast fünf Jahre nach den blutigen Ereignissen nahe der nordperuanischen Amazonas-Stadt Bagua mit 33 Toten Polizisten und Demonstranten hat die juristische Aufarbeitung des "Baguazo" begonnen. Insgesamt 52 Angeklagte müssen sich seit Mittwoch, den 14. Mai 2014, vor dem Strafgericht der Stadt Bagua unter anderem wegen Mordes, schwerer Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Aufrührertum und illegalem Waffenbesitz verantworten, berichtet die Tageszeitung El Comercio.

Die Anwälte der Beschuldigten beklagten im Vorfeld des Prozessauftaktes, dass lediglich die Demonstranten auf der Anklagebank sitzen würden, schreibt die Tageszeitung La República. 23 Indigene und 29 Mestizen werden für die Vorfälle um die Straßenblockade-Räumung durch Polizeikräfte in den Prozinzen Bagua und Utucumba im Juni 2009 zur Verantwortung gezogen, nicht aber die Befehlshaber des Polizeieinsatzes.

Die Verteidigungsanwälte Carlos Rivera und Juan José Quispe forderten, dass politische Verantwortliche wie Ex-Präsident Alan García, dessen Premier Yehude Simon und die Ministerinnen Mercedes Araoz und Mercedes Cabanillas ebenfalls belangt, oder zumindest in den Zeugenstand berufen werden müssten. Stattdessen würde das Gericht "die Welt verschwinden lassen, als ob am 5. Juni eine Gruppe verrückter entschieden hätten, sich ohne Sinn und Verstand den Polizisten entgegenzustellen", so Rivera.

Am 5. Juni 2009 hatten Polizeieinheiten eine von Indigenen besetzte Straße mit Waffengewalt geräumt. Diese hatten wochenlang ungehört gegen Pläne der Zentralregierung demonstriert das Forst- und Wassergesetz Perus im Rahmen eines Freihandelsabkommens mit den USA zu liberalisieren. Insgesamt kamen zehn Demonstranten ums Leben, bei anschließenden Scharmützeln und einer Geiselnahme von Polizisten wurden 23 Polizisten getötet. Die Ereignisse auf der Überlandstraße Fernando Belaunde in der "Teufelskurve" werden als "Baguazo" bezeichnet. (bb)