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Oscar-Nominierung mit innenpolitischer Sprengkraft

Die jüngste Oscar-Nominierung einer brasilianischen Dokumentation über das politische Ende von Ex-Präsidentin Dilma Rousseff (2011-2016) sorgt in Brasilien für innenpolitische Diskussionen. Der von der Preisjury ausgewählte Film „Democracia em Vertigem“ (deutscher Titel: „Am Rande der Demokratie“) der Regisseurin Petra Costa kritisiert Brasiliens Zustand der Demokratie in den letzten 30 Jahren, wie die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch mitteilt. 

Anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte und der ihrer Eltern berichtet Regisseurin Costa, wie korrupte Eliten und Machtmissbrauch von Politik und Wirtschaft die brasilianische Gesellschaft zwischen Arm und Reich bis heute weiter spalten. Das Ende der Regierungszeit der linken „Partido do Trabalhadores“ (PT), die 2003 mit der Präsidentschaft des Gewerkschafters Luíz Inacio Lula da Silva begann und mit Dilma Rousseffs Amtsenthebung 2016 endete, wird als Soft-Putsch der alten Eliten erzählt.

„Die Geschichte des Staatsstreichs von 2016, der mich durch eine betrügerische Amtsenthebung aus der Präsidentschaft vertrieben hat, hat die Welt erobert“, begrüßte Ex-Präsidentin Rousseff die Oscar-Nominierung. Die Amtsenthebung wegen vermeintlicher Manipulation des Staatshaushaltes wird von der 36 Jahre alten Regisseurin als Verschwörung konservativer Politiker und Führungspersonal des staatlichen Erdölkonzerns Petrobras dokumentiert, die aus Angst vor Strafverfolgung wegen Korruption selbst an die Macht wollen. „Gratulation an die Filmemacherin Petra Costa für ihre Nominierung für beste Fiktion und Fantasy“, kommentierte entsprechend die rechte PMDB-Partei, die treibende Kraft hinter Rousseffs Absetzung war, auf Twitter.

Die Dokumentation ist seit Juni 2019 beim Online-Filmdienst „Netflix“ zu sehen. 

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