Bischöfliche Aktion Adveniat e.V.
Kolumbien |

Mit Epidemiologie gegen Gewalt und Tod in Cali

Innenstadt von Cali, Kolumbien: Foto: Adveniat/Pohl.
Innenstadt von Cali, Kolumbien: Foto: Adveniat/Pohl.

"Ich kalkuliere, dass wir in diesem Jahr etwa bei 59 Morden pro 100.000 Einwohner landen, was immer noch erschreckend ist. Aber wir waren bei 81 im letzten Jahre", sagte Guerrero dem britischen Sender.

 

Die Salsa-Metropole wurde zuletzt immer wieder durch heftige Gewaltausbrüche erschüttert. Erst vor wenigen Tagen kamen bei einer Schießerei offenbar unter rivalisierenden Banden acht Menschen ums Leben. Vor ein paar Monaten hatten Unbekannte auf Besucher einer Diskothek geschossen. Acht Menschen starben, mehrere Personen wurden verletzt. Hintergrund soll nach Behördenangaben auch hier ein Kampf rivalisierender Drogengangs sein. Die Bluttat hatte in der Bevölkerung eine Debatte über eine Entwaffnung ausgelöst. Die katholische Kirche hatte damals gemeinsam mit Menschenrechtsorganisationen einen "Marsch gegen Morde und Waffen" veranstaltet. Mit der Kundgebung wollten Calis Erzbischof Dario de Jesus Monsalve Mejia und die anderen Organisatoren gegen die Gewalt in der Hauptstadt des Bundesstaates Valle de Cauca mit ihren 2,3 Millionen Einwohnern protestieren.

Gewaltreduzierung nach Methoden der Wissenschaft

Offenbar zeigen die Initiative der Kirche und die engagierte Herangehensweise des Politikers erste Erfolge. Die Methode, die Cali angewendet wird, stammt eigentlich aus der Medizin. Die "Epidemiologie" ist laut Definition eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Verbreitung sowie den Ursachen und Folgen Erkrankungen beschäftigt. "Die Methode, die wir in der Epidemiologie anwenden ist eine Herangehensweise wenn wir auf Krankheiten treffen, deren Ursprung unbekannt ist", erklärt Guerrero, selbst Doktor der "Epidemiologie".

 

Das Geheimnis sei, die Ursache des Problems einzuschränken und damit zu definieren: Was, Wer, Wann und Wo. Welche Faktoren, begleiten das Auftreten und wie können solche Faktoren kontrolliert werden. In der Medizin heißen diese dann "Risikofaktoren", die es dann auszuschalten gelte.

Ursachen: Waffenbesitz und Alkoholgenuss

Und diese Risikofaktoren sind in Cali vor allem Waffenbesitz und Alkoholgenuss. Wissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, was zwar vermutet, aber eben nie belegt wurde: Die Beschränkung Waffen tragen zu dürfen und die Kontrolle von Alkoholverkauf habe in der Vergangenheit zu einer Reduzierung der Mordrate von 35 Prozent geführt. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota habe eine ähnliche Vorgehensweise die gleichen Resultate gebracht: Schärfe Waffenkontrolle und kontrollierter Alkoholausschank.

Ein anderer Faktor für die hohe Mordrate in Cali sei aber weitaus schwerer auszuschalten: Der größte Anteil der Morde in Cali geht auf das Konto der organisierten Kriminalität. Hier soll eine koordinierte Arbeit von Spezialeinheiten eine spürbare Verbesserung bringen: Geheimdienste, Polizei und Justiz arbeiten deutlich enger verzahnt miteinander.

Die ersten Erfolge scheinen Guerrero zu beflügeln. "In unserem Plan hatten wir versprochen, die Mordrate auf 60 zu reduzieren. Jetzt ist unser neues Ziel eine Mordrate von 45 oder 40 zu erreichen." Cali sei was die Mordrate angeht immer noch auf einem hohen Niveau, aber Guerrero hat Vertrauen, dass sich die Dinge weiter verbessern lassen.

 

Autor: Tobias Käufer, Bogota

Cookie Einstellungen

Erforderliche Cookies sind für den reibungslosen Betrieb der Website zuständig, indem sie Kernfunktionalitäten ermöglichen, ohne die unsere Website nicht richtig funktioniert. Diese Cookies können nur über Ihre Browser-Einstellungen deaktiviert werden.

Anbieter:

Bischöfliche Aktion Adveniat e.V.

Datenschutz

Marketing-Cookies werden verwendet, um Besuchern auf Webseiten zu folgen. Die Absicht ist, Anzeigen zu zeigen, die relevant und ansprechend für den einzelnen Benutzer sind und daher wertvoller für Publisher und werbetreibende Drittparteien sind.

Anbieter:

Google Ireland Limited

Datenschutz

Statistik-Cookies dienen der Analyse und helfen uns dabei zu verstehen, wie Besucher mit unserer Website interagieren, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden. Auf Basis dieser Informationen können wir unsere Website für Sie weiter verbessern und optimieren.

Anbieter:

Google Ireland Limited

Datenschutz