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Massentourismus als Wachstumsmotor

Trotz Klimadebatte und Kapitalismuskritik: Kubas Sozialisten investieren in den Massentourismus. Es soll neue Besucherrekorde geben.

Adveniat Kuba Havanna Tourismus Malencon

Uferstraße Malencon in Havanna, Kuba. Foto: Adveniat/Martin Steffen

Die Wachstumsraten sind beeindruckend. Laut Granma, dem offiziellen Organ des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas, reisten im vergangenen Jahr 4.732.280 internationale Besucher auf die kommunistisch regierte Karibikinsel. Davon 18,5 Prozent auf dem Seeweg per Kreuzfahrtschiff, der überwiegende Rest kam mit dem Flugzeug. In diesem Jahr soll nun eine neue Bestmarke fallen: Angestrebt ist ein Sprung über die Schallmauer von fünf Millionen Besuchern. Zum Vergleich: Das riesige Brasilien mit seiner Touristenmetropole Rio de Janeiro kommt gerade mal auf etwas über sechs Millionen Touristen pro Jahr. 

Fünf Millionen Besucher in 2019
 
Es scheint als gehe die aktuelle weltweit geführte Klima- und antikapitalistische Wachstumsdebatte komplett an Kubas Sozialisten vorbei. Während zum Beispiel in der deutschen Hauptstadt Berlin die Debatte darüber entbrannt ist, ob der Touristenstrom nicht eher schädlich für die Stadt ist, sind solche Debatten im offiziellen Kuba kein Thema. Die stadtentwicklungs- und tourismuspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Katalin Gennburg, kritisierte jüngst den Wachstumskurs Berlin. In Zeiten, in denen das Klimabewusstsein steige, setze man nach wie vor auf Touristen, die mit Billigfliegern in die Hauptstadt kämen, sagte Gennburg der „Berliner Morgenpost“. „Wachstum“ würde „gepredigt“, „als ob es keine Klimakatastrophe, keine Verdrängung kleiner Läden und Kitas aus den Kiezen durch massive Kommerzialisierung gäbe“. Dazu kämen die „Verheerungen im Wohnungssektor“ durch die Vermietungen über Plattformen „wie Airbnb und Co“.

Freizeitindustrie als Motor für Entwicklung

Probleme, die es auch auf Kuba gibt, von denen sich die lokalen Sozialisten allerdings nicht aufhalten lassen wollen. Die kubanische Tourismusindustrie, die maßgeblich von Militärs kontrolliert wird, setzt stramm auf Expansion. Der kubanische Präsident Miguel Díaz–Canel kommentierte die eigenen Ambitionen in diesem Jahr auf Twitter folgendermaßen: „Wir wollen mehr. Wir werden weiter wachsen, vorankommen – Voraussetzungen für die Entwicklung des Landes“. Und das Parteiorgan Granma kommentiert dazu: „Der Tourismusbereich konzentriert sich weiter darauf, über fünf Millionen ausländische Besucher zu empfangen, in einer Zeit, in der die sogenannte Freizeitindustrie als Motor betrachtet wird, der die Entwicklung des Landes antreibt.“

Die Zielgruppe, die Kubas Tourismusindustrie ins Land locken will, ist klar definiert: Die Besserverdienenden. Wirtschaftsminister Alejandro Gil schwärmt, wo immer er kann, über eine neue „Generation von fünf Sterne Luxushotels in Havanna und Varadero“. Seit ein paar Monaten lockt zum Beispiel die neue Luxusherberge Melía Internacional Varadero zahlungskräftige Touristen an. Im Februar wurde der Bau eines neuen gigantisches Luxus Golf-Resort angekündigt. Investitionsvolumen der „Urbas Grupo Financiero“: Rund 3,5 Milliarden Euro. 

Sanktionen der US-Regierung wirken sich negativ aus
 
Doch es ziehen dunkle Wolken auf: Im August dämpfte das Tourismus-Ministerium die Erwartungen. Grund sind die neuen Sanktionen der Regierung von US-Präsident Donald Trump gegen Kuba, die sich auf die Besucherzahlen auswirken könnten. Am Ende des Jahres könnten deshalb etwa eine halbe Millionen Touristen zum anvisierten Planziel fehlen. Trump wirft Kubas Sozialisten vor, das brutale Regime in Venezuela zu unterstützen. Ohnehin ist Kubas Wachstumsstrategie im eigenen Land umstritten. Während es für die zahlungskräftigen Touristen keinerlei Versorgungsprobleme gibt, leidet der Durchschnittskubaner unter Mangel an Brot, Gemüse, Fleisch.

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