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Klassenkampf oder Fische züchten? - Evo Morales kehrt nach Bolivien zurück

Der bolivianische Ex-Präsident Evo Morales ist aus dem argentinischen Exil zurückgekehrt. Nachdem bereits vor zwei Wochen der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben wurde, hat er jetzt zu Fuß hat er die Grenze nach Bolivien überquert und ist von Hunderten Anhängern begeistert empfangen worden. Begleitet wurde er vom argentinischen Präsidenten Alberto Fernández.

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Argentiniens Präsident Alberto Fernández (rechts) begleitete Evo Morales bis zum Grenzübergang. Foto: Evo Morales, @evoespueblo, ABI.bo

Geflohen war er mit wehenden Fahnen, Freunden und Vertrauten in einem Regierungsflugzeug, das die Mexikaner vor knapp einem Jahr ins aufgewühlte Bolivien sandten. Nach mehr als 13 Jahren im Amt und einer letzten vielleicht nicht ganz sauberen Wahl, floh Evo Morales auf Druck von Polizei, Militär und einem wütenden Mob erst nach Mexiko und dann nach Argentinien. Von dort kehrte er nun vergleichsweise bescheiden zu Fuß und mit leichtem Gepäck in seine Heimat zurück.

Triumphzug nach Cochabamba

Argentiniens Staatschef Alberto Fernández begleitete Morales am Montag bis zur Grenze, und in Bolivien warteten bereits Hunderte Anhänger des noch immer populären ehemaligen indigenen Präsidenten mit Fahnen und Musik. Morales wollte seine Rückkehr zu einem mehrtägigen Triumphmarsch per Autokorso nach Chimoré in Cochabamba ausbauen, von wo er am 11. November 2019 nach Mexiko geflogen war. In Cochabamba ist Morales noch Gewerkschaftschef und unbestrittener Herrscher. „Ich war immer sicher, dass wir zurückkehren, nur war ich nicht sicher, dass es so schnell gehen würde“. 

Haftbefehl aufgehoben

Das hatte damit zu tun, dass sein Freund, Vertrauter und früherer Wirtschaftsminister Luis Arce am Sonntag das Präsidentenamt übernommen hatte. Nun ist Morales „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) nach nur einem Jahr in der Opposition wieder an der Macht. Und er selbst braucht vorerst keine Festnahme mehr zu fürchten, zumal kurz zuvor passend ein bestehender Haftbefehl von einem Gericht aufgehoben worden war.

Evo Morales polarisiert

Arce kann nicht gefallen, dass sein früherer Chef Morales so ganz und gar unverzüglich nach Bolivien zurückgekehrt ist. Nicht einen Tag konnte er frei und ohne Erblast regieren. Zu extrem sind die Gefühle Morales gegenüber – tiefer Hass vor allem bei der weißen, im Tiefland lebenden Mittel- und Oberschicht. Und bedingungslose Verehrung bei den Kokabauern und der Mehrzahl der indigenen Mehrheit des kleinen und klammen Andenstaates. Der 61-Jährige bewegt die Menschen mit seiner reinen Anwesenheit. Da braucht er gar nichts zu sagen.  

Aber der von Macht und Gestaltungswillen angetriebene Ex-Präsident sprach in einer ersten Rede davon, dass man den Klassenkampf weiterführen müsse. In Argentinien hatte er Wochen zuvor nach ganz anders geklungen und gesagt, er werde sich wohl aufs Land zurückziehen und als Fischzüchter arbeiten. Konflikte schüren mit seinen Gegnern oder seinen Kumpel Luis an der Macht zu überwachen, habe er nicht vor. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 

Arce hält Morales auf Distanz

Arce hatte bereits nach seinem überzeugenden und überraschenden Wahlsieg Mitte Oktober klar gemacht, dass sein früherer Förderer im Prinzip Willkommen sei, nur nicht in der Politik. „Er kann jederzeit ins Land zurückkehren, denn er ist Bolivianer. Aber wer Teil der Regierung sein wird und wer nicht, habe ich zu entscheiden". 
 
Damit bestätigte Arce die gewisse Distanz zu Morales, die er zuvor schon im Wahlkampf bezogen hatte. „Wir haben durchaus Differenzen mit Evo und werden anders regieren als er, näher dran an den sozialen Bewegungen und vor allem an der Jugend."

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