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Indigene in Mexiko schließen wegen Corona ihre Grenzen

Indigene Gemeinde in Chiapas, Mexiko. (Symbolbild) Foto: Jürgen Escher/ Adveniat 

Indigene Gemeinden in mehreren Bundesstaaten Mexikos haben die Grenzen ihrer Gebiete geschlossen, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Nur medizinisches Personal hat noch Zugang zu den Territorien, wie die spanische Zeitung El País unter Berufung auf Erkenntnisse der staatlichen Behörde für Menschenrechte meldet. Indigene Menschen gelten in Mexiko als eine der verwundbarsten Gruppen der Gesellschaft, da sie häufig nur einen unzureichenden Zugang zu Medikamenten und Hygienemitteln haben. Doch Mexikos Regierung hatte die Grenzen innerhalb des Landes nicht geschlossen. Zum Selbstschutz haben Gruppen von Maya, Zapoteken und Purépecha in folgenden Bundesstaaten den Zugang zu ihren Gebieten stark eingeschränkt: Oaxaca, Guerrero, Morelos, Veracruz, Sinaloa, Michoacán und Quintana Roo.

Gemeinsame Disziplin gegen das Virus  

Zahlen der mexikanischen Gesundheitsbehörde legen nahe, dass die indigene Bevölkerung im Verhältnis zu der Gesamtbevölkerung nur einen sehr geringen Anteil der bisher rund 14.000 (Quelle: WHO) bestätigten Coronainfektionen ausmache.  Beobachter ziehen als Erklärung auch das Sozialverhalten der Landbevölkerung heran: Auf dem Land seien die Menschen disziplinierter und verstünden die Folgen des Virus besser. Die gesamte Gemeinschaft wisse, was für alle auf dem Spiel stehe, und dass im Falle einer Erkrankung die Gesundheitszentren oft sehr weit entfernt seien, zitiert die spanische Zeitung El País Gisela Lara, die Koordinatorin des mexikanischen Sozialprogramms IMMS.

Die Coronakrise führte in Mexiko auch dazu, dass indigene Völker von traditionellen Gewohnheiten abweichen. In Gemeinden in Chiapas zum Beispiel betrifft dies die Totenwache. Üblicherweise können Verstorbene drei Tage lang, aufgebahrt in ihrem Haus, besucht werden. Wegen des Coronavirus muss auf die gewohnten Zeremonien verzichtet werden, es bleibt die Beerdigung.

Indigene Straßensperren in ganz Lateinamerika 

Auch in anderen Ländern wie Peru, Bolivien, Paraguay und Argentinien riegelten indigene Gruppen lokalen Medienberichten zufolge Straßen ab.  Mit den Blockaden fordern sie allerdings mehr Unterstützung für ihre Gemeinden von den regionalen Behörden während der Corona-Pandemie. Häufig herrsche ein akuter Mangel an Schutzausrüstung und Lebensmitteln, da Hilfspakete der Regierung häufig nur unzureichend oder gar nicht ankämen.  Das Ausbleiben der Hilfsgüter erschwere das Leben innerhalb der Gemeinden zunehmend. 

 

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