Guatemala |

Gerardi-Mörder bald auf freiem Fuü

Fast zwölf Jahre nach der Ermordung von Weihbischof Juan Gerardi Conedera in Guatemala wird einer der Täter vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Ein Gericht stimmte der früheren Haftentlassung wegen guter Führung zu, wie die Tageszeitung «Siglo Veintiuno» (Mittwoch) berichtete. Demnach steht die Freilassung des Militärs Byron Disrael Lima Estrada unmittelbar bevor.

Die Kirche reagierte mit Unverständnis auf den Richterspruch: «Wir kritisieren diese Entscheidung scharf», wird Nery Rodenas, Direktor des Menschenrechtsbüros der Erzdiözese Guatemala-Stadt, zitiert. Die Anwälte des zu 20 Jahren Haft verurteilten Mörders hatten sich auf ein Gesetz berufen, das Straftätern bei guter Führung eine Umwandlung der zweiten Hälfte der Haft zur Bewährung ermöglicht.
Gerardi, der Vorsitzende der kirchlichen «Wahrheitskommission» für Guatemala, war in der Nacht zum 26. April 1998 in der Garage seines Pfarrhauses brutal erschlagen worden. Zwei Tage zuvor hatte er der öffentlichkeit die Dokumentation «Guatemala - nie wieder» übergeben. Der Bericht belegte 50.000 von insgesamt geschätzten 200.000 Menschenrechtsverletzungen des 36-jährigen Bürgerkrieges in dem mittelamerikanischen Land. Die meisten werden dem Militär zugeschrieben.

Der Mord an Gerardi ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Zum elften Jahrestag des Verbrechens hatte Kardinal Rodolfo Quezada Toruno erklärt, solange er die Erzdiözese Guatemala-Stadt leite,
werde er eine völlige Sühne des Verbrechens einfordern. Er widersetze sich dem Druck, das Verfahren einzustellen. Es gehe der Kirche nicht um Rache, sondern um Wahrheitsfindung. Die Haupttäter
wurden 2001 verurteilt; ein Verfahren gegen 13 Militärs als mutmaßliche Hintermänner ist noch immer anhängig.

Quelle: kna

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