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Erste Opfer der Colonia Dignidad sollen Entschädigungen erhalten

Demonstranten in Chile protestieren gegen Straflosigkeit für die in der Colonia Dignidad begangenen Verbrechen Foto (2014): Colonia Dignidad, Periódico ResumenCC BY-NC 4.0

In den kommenden Wochen sollen die ersten Opfer der Colonia Dignidad Anerkennungszahlungen für ihr erlittenes Leid erhalten. Bereits begonnen wurde mit Beratungsgesprächen zu den Direktzahlungen mit den Betroffenen, die in Chile außerhalb der ehemaligen "Kolonie der Entwürdigung" lebten, wie Michael Brand am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin sagte. Nachfolgend würden zeitnah auch die Gespräche mit den noch auf dem Gelände der früheren Kolonie lebenden sowie den nach Deutschland zurückgekehrten Opfern beginnen, um die Direktzahlungen auch für diese Gruppen schnellstmöglich zu realisieren, fügte der CDU-Bundestagsabgeordnete hinzu.

Brand gehörte der gemischten Kommission aus Parlamentariern und Vertretern der Bundesregierung an, die im vergangenen Jahr ein Hilfskonzept für die ehemaligen Bewohner der Kolonie erarbeitete.

Das Konzept sieht unter anderem eine Zahlung bis zu 10.000 Euro pro Person vor. Zudem soll es einen Fonds "Pflege und Alter" für jene Opfer geben, die keinen Zugang zum deutschen Sozialsystem haben. Aus diesem Fonds wurden laut Brand bislang noch keine Leistungen ausgezahlt. Er soll aber weiter angefüllt werden, weil künftig viele der rund 240 Betroffenen im Alter vor dem Nichts stünden.

Zwangsarbeit und Folter

Die Colonia Dignidad wurde Anfang der 1960er Jahre von dem gebürtigen Bonner Paul Schäfer (1921-2010) in Chile gegründet. Auf der Anlage rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago versprach der aus einem freikirchlichen Umfeld stammende Laienprediger seinen Anhängern ein "urchristliches Leben im Gelobten Land". Tatsächlich führte Schäfer ein diktatorisches Regime und schottete die Sektenmitglieder von der Außenwelt ab.

Zu den Verbrechen zählten unter anderem Freiheitsberaubung, Zwangsarbeit und Sklaverei, Kindesmissbrauch, Körperverletzung, Folter und Verabreichung von Psychopharmaka ohne medizinische Indikation. Während der Militärdiktatur (1973-1990) wurden in der Colonia Dignidad Hunderte Regimegegner vom chilenischen Geheimdienst gefoltert und Dutzende ermordet.

Arte und ARD zeigen Dokumentation

Arte und die ARD beleuchten Mitte März das Geschehen in der Colonia mit unveröffentlichtem Bildmaterial sowie Zeitzeugen-Interviews. Jahrzehntelang ignorierten deutsche Behörden und die Bundesregierung die Untaten Schäfers und seiner Helfershelfer. Der Titel der vierteiligen Dokumentation lautet "Colonia Dignidad - Aus dem Innern einer deutschen Sekte".

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