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El Salvador: Militärs verweigern Zugang zu Diktaturarchiv

Das Massaker von El Mozote, bei dem 1981 mehr als 1.000 Einwohner einer Kleinstadt getötet wurden, sollte endlich aufgeklärt werden. Doch das Militär verweigerte den Richtern den Zugang zum Archiv.

El Salvador, Bürgerkrieg, Menschenrechte

Menschenrechtsbüro und Archiv „Tutela Legal“ in El Salvadors Hauptstadt San Salvador, in dem Akten der Gräueltaten des Bürgerkrieges lagern. Foto (Symbolbild): Adveniat/Jürgen Escher

In El Salvador hat das Militär am Montag, 21. September 2020 (Ortszeit), einem Richter den Zugang zu Dokumenten über das Massaker von El Mozote verweigert. Wie lokale Medien berichteten, sollte an diesem Tag die Untersuchung der Militärarchive beginnen. Zur Begründung erklärte die Armee, sie sei über den Vorgang nicht informiert gewesen.

"Bedauerlich, traurig, schändlich, dunkler Tag", kommentierte der Ombudsmann für Menschenrechte, Apolonio Tobar, den Vorfall. Die Regierung El Salvadors ermunterte er, sich ein Beispiel an der spanischen Justiz zu nehmen, die jüngst eine Strafe von 133 Jahren gegen einen ranghohen salvadorianischen Militär verhängte, der an der Ermordung von sechs Jesuiten während des Bürgerkrieges beteiligt war. "Die Straflosigkeit darf nicht weitergehen; die Opfer müssen die Wahrheit erfahren, Zugang zur Justiz bekommen und Wiedergutmachung erfahren", sagte Tobar laut dem Portal "ElSalvador.com".

Massaker von El Mozote

Das Massaker von Mozote vom Dezember 1981 war vor zwei Jahren von einem Gericht zu einem "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" erklärt worden. Damals hatten Militärs bei einer Operation gegen die Guerillabewegung mehr als 1.000 Einwohner der Kleinstadt El Mozote und der Umgebung ermordet. Es zählt zu den großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts in Mittelamerika.

Während des Bürgerkriegs in El Salvador (1980-1992) kamen rund 75.000 Menschen ums Leben. Das Schicksal von 8.000 Verschwundenen ist noch immer ungeklärt.

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