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Das Virus fällt über Lateinamerika her

Es ist nicht nur der politische Kurs einiger Staatenlenker, der in der Coronakrise in den Staaten Südamerikas für Probleme sorgt. Auch die ohnehin schlechte Gesundheitsversorgung macht sich bemerkbar.

Auf einem Friedhof in Manaus hebt ein Bagger neue Gruben für Gräber aus

In mehreren Ländern Lateinamerikas steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus und auch die Zahlen der Todesopfer deutlich an. Allein der brasilianische Bundesstaat São Paulo hat inzwischen China bei der Zahl der offiziell gemeldeten Corona-Toten überholt, wie aus Daten des Gesundheitsministeriums in Brasília hervorgeht.

In dem mit mehr als 40 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesstaat Brasiliens starben bislang rund 4.700 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Insgesamt verzeichnete Brasilien bislang 16.122 Corona-Tote. 241.080 Infizierte wurden registriert. In China mit mehr als einer Milliarde Einwohnern starben den Behörden zufolge 4.638 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. In beiden Fällen sind die Statistiken mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten.

Nach Daten der Johns-Hopkins-Universität in den USA liegt Brasilien bei der Zahl der Todesopfer weltweit auf Platz sechs. Bei der Zahl der Infizierten ist es auf Platz vier der am schwersten betroffenen Länder gerückt - vor Italien und Spanien, allerdings hinter den USA, Russland und Großbritannien. Immer mehr Krankenhäuser haben keine freien Intensivbetten mehr, provisorische Kliniken öffnen. Auf Friedhöfen werden die Toten in Massengräbern beerdigt.

Die kleine Grippe ziemlich groß

Dennoch dringt Präsident Jair Bolsonaro, der die Pandemie als "kleine Grippe" bezeichnet hatte, auf eine Öffnung der Wirtschaft. Der rechtspopulistische Politiker hat in Nelson Teich, der nach nur einem Monat im Amt Ende dieser Woche seinen Posten räumte, bereits den zweiten Gesundheitsminister in der Pandemie verschlissen. Teich war dem hoch angesehenen Luiz Henrique Mandetta nachgefolgt.

Ein anderer Schauplatz: Mexiko

In Mexiko sind inzwischen nach offiziellen Zahlen mehr als 5.100 Menschen in Zusammenhang mit dem Erreger Sars-CoV-2 gestorben. Die Zahl der bestätigten Infektionen lag bei mehr als 49.000, hinzu kommen knapp 30.000 Verdachtsfälle. Allerdings wird in Mexiko im internationalen Vergleich sehr wenig getestet. Nach Zahlen von Forschern der englischen Oxford-Universität lag die Zahl der täglichen Tests in Mexiko zuletzt bei 1,04 pro 1.000 Einwohner - in Deutschland waren es 37,57.

Auch die Zahl der Todesfälle dürfte höher liegen als offiziell angegeben. Das berichteten jüngst die US-Zeitungen "New York Times" und "Wall Street Journal" auf Grundlage jeweils eigener Nachforschungen.

Bad in der Menge

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador wird kritisiert, die Pandemie nicht ernst genug zu nehmen. Er bereiste noch im März das Land in Linienflugzeugen und badete in Menschenmengen, als fast alle anderen Länder der Region bereits Corona-Maßnahmen ergriffen hatten. Zuletzt kündigte er erste Lockerungen der Einschränkungen in den am wenigsten betroffenen Gegenden des Landes für diesen Montag an, obwohl Mexiko nach Einschätzung der Regierung derzeit die schlimmste Phase der Ausbreitung von Covid-19 durchmacht.

Anstieg auch in Peru und Chile

Besonders viele Infektionen in Amerika während der vergangenen Woche verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Bericht von Samstag auch für drei andere amerikanische Länder: Demnach wurden in Peru und Chile in der vergangenen Woche zwischen 10.000 und 100.000 neue Infektionen gemeldet, in den USA sogar mehr als 100.000.

Weltweit sind inzwischen mehr als 315.000 Menschen nach einer Coronavirus-Infektion gestorben. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen stieg auf mehr als 4,7 Millionen. Die USA sind mit großem Abstand das Land mit den meisten Corona-Sterbefällen weltweit.

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