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CEPAL: Corona verursacht stärkste Wirtschaftskrise der letzten 120 Jahre

Die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) rechnet mit einem Einkommensrückgang pro Einwohner von fast zehn Prozent.

Corona, Pandemie, Armut, Lateinamerika

Vor allem die Armen trifft die Corona-Pandemie hart. Symbolbild (Quilombo Caraíbas, Brasilien): Adveniat/Florian Kopp

Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr in Lateinamerika voraussichtlich um 9,1 Prozent einbrechen, so stark wie noch nie in den 120 Jahren, seit die Daten erhoben werden. Die Arbeitslosigkeit werde auf 13,5 Prozent steigen, die Armutsrate 37,7 Prozent der Bevölkerung erreichen - ein Plus von 7 Prozent, so die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL), eine Organisation der Vereinten Nationen. 

Corona macht strukturelle Schwächen sichtbar

Schon vor Corona habe es sich um jene Region auf der Welt gehandelt, in der die größte soziale Ungleichheit herrscht. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf werde nun auf den Stand von vor zehn Jahren fallen, die Armutsquote das Niveau von 2006 erreichen. Die CEPAL rechnet damit, dass das Wachstum langsamer wieder Fahrt aufnehmen wird als zunächst erwartet. Derzeit machten sich die strukturellen Schwächen der lateinamerikanischen Volkswirtschaften deutlich bemerkbar. In der Corona-Krise wögen die mangelhaften Gesundheitssysteme besonders schwer. Die Arbeit im informellen Sektor nehme zu und es gebe kaum soziale Absicherung.

Steigende Arbeitslosigkeit 

Die CEPAL ruft dazu auf, in der aktuellen Lage die wirtschaftlichen Anpassungsstrategien aufzugeben, die in vielen Ländern Lateinamerikas in den vergangenen Jahren die Politik bestimmten. Die expansive Geldpolitik der vergangenen Monate müsse noch ausgeweitet werden. Grundsätzlich ist der Spielraum aber deutlich enger als in den Industrieländern. Infolge der Corona-Einschränkungen sei der private Konsum zurückgegangen. Die steigende Arbeitslosigkeit verstärke diese Entwicklung. Was die Exporte betrifft, so habe Lateinamerika schon zuvor unter sinkenden Rohstoffpreisen gelitten. Es handele sich um die wichtigste Einnahmequelle, die angestrebte Diversifizierung der Volkswirtschaften sei ausgeblieben. Zudem befänden sich auch die Länder, in die geliefert werde, in der Krise. CEPAL rechnet mit einem Export-Einbruch um 23 Prozent sowie mit einem Rückgang der Importe um 25 Prozent. 

CEPAL fordert Steuererhöhungen 

Einen Lichtblick sieht die spanische Zeitung „El País“ darin, dass anders als im Falle von schweren Rezessionen der Vergangenheit, bis jetzt kein Dominoeffekt auf den Banken-Sektor entstanden sei. Dies sei insofern bemerkenswert, als in Lateinamerika die Liquidität der Banken traditionell Sorge bereite. Zudem sei, mit Ausnahme von Venezuela und Argentinien, die Inflation weitgehend unter Kontrolle. Was die öffentlichen Haushalte angehe, so stiegen die Ausgaben aufgrund der Pandemie, während zugleich die Einnahmen zurückgingen. Die Verschuldung der Länder wird CEPAL zufolge daher deutlich steigen. Die CEPAl fordert daher höhere Steuern, um die große soziale Ungleichheit in Lateinamerika zu verringern.

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