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Brasiliens Bildungsminister tritt zurück

Brasiliens frisch ernannter Bildungsminister Carlos Alberto Decotelli tritt zurück. Er zieht damit die Konsequenzen aus einem Skandal um einen erfundenen Doktortitel. 

Brasiliens neuer Bildungsminister, Carlos Alberto Decotelli, ist gestern nur fünf Tage nach seiner Ernennung zurückgetreten (Archivbild). Foto: Carlos Alberto DecotelliSenado FederalCC BY 2.0

Nur fünf Tage nach seiner Ernennung hat der brasilianische Bildungsminister Carlos Alberto Decotelli gestern seinen Rücktritt angekündigt. Er reagierte damit laut lokalen Medienberichten auf die Vorwürfe, er habe seinen Doktortitel erfunden. Den Betrugsvorwurf hatte Decotelli bereits vergangen Freitag selbst eingeräumt. Er ist damit schon der vierte brasilianische Minister, der in den vergangenen drei Monaten zurückgetreten ist. 

Carlos Decotellis falscher Doktortitel 

Die Anschuldigungen haben schwer auf den frisch ernannten Bildungsminister gelastet. So bestätigten die Institutionen, an denen angeblich seine akademischen Titel erworben haben soll, dass Carlos Alberto Decotelli da Silva nie einen Doktorgrad erworben habe. Der Reserveoffizier und Betriebswirtschaftler Decotelli habe zwar Kurse an der Nationalen Universität von Rosario in Argentinien belegt, jedoch keine Doktorarbeit eingereicht, bestätigte der dortige Rektor brasilianischen Medien.

Zudem handelte es sich bei dem als Postdoktoratsstudium angegebenen Aufenthalt an der Bergischen Universität Wuppertal lediglich um einen Forschungsaufenthalt, wie Decotellis dortige Betreuerin am Wochenende bestätigte.

Präsident Jair Messias Bolsonaro hatte Decotellis Berufung am Donnerstag via Twitter verkündet und dabei dessen wissenschaftliche Titel aufgelistet. Demnach soll Decotelli 2009 sein Doktorstudium mit einer Arbeit über die Soja-Preispolitik abgeschlossen haben. Ersten Berichten über die fehlende Doktorarbeit widersprach das Bildungsministerium am Freitag zunächst und verbreitete die Kopie der vermeintlichen Urkunde. Allerdings wird darin lediglich die Teilnahme an Kursen bestätigt.

Am Freitagabend gab Decotelli zu, die Doktorarbeit nicht eingereicht zu haben. Wenig später berichtigte er sein Curriculum auf einem Wissenschaftsportal und löschte seinen Doktortitel. Allerdings führt die Seite weiter seinen Post-Doktortitel, den er 2017 in Wuppertal mit einer Arbeit über Landmaschinen errungen haben soll.

"So etwas wie ein formales Postdoc-Studium gab es an meiner Fakultät überhaupt nicht", erklärte die damalige Leiterin des Lehrstuhls für Designtheorie, Brigitte Wolf: "Herr Decotelli hat bei mir einen Forschungsaufenthalt im Ausland gemacht." Aufgrund seiner akademischen Tätigkeit in Brasilien sei sie davon ausgegangen, dass Decotelli eine entsprechende Qualifikation besitze. An regelmäßigen Kursen in Wuppertal habe er nicht teilgenommen, so Wolf.

Decotellis Berufung war in den Medien zunächst positiv aufgenommen worden. Der erste dunkelhäutige Minister im Kabinett sei wegen seiner akademischen Laufbahn besser für den Posten geeignet als seine Vorgänger. Zudem habe Decotelli als Präsident des Nationalen Entwicklungsfonds für Bildung (FNDE) 2019 Erfahrungen im Bildungsbereich gesammelt.

Zahlreiche Skandale im Bildungsministerium

Bisher reihen sich im Bildungsministerium unter Bolsonaro zahlreiche Skandale aneinander. Anfang 2019 hatte der kolumbianische Professor Ricardo Velez Rodriguez das Ministerium für einige Wochen geführt und dabei für mehrere Skandale gesorgt. So rief er Schüler und Studenten auf, "linke" Lehrer und Professoren zu filmen und zu denunzieren. Zudem bezeichnete er die Brasilianer als "Kannibalen", die außerhalb ihres Hauses alles klauten, was sie fänden. Schuld daran sei die schlechte Schulbildung im Land.

Gegen Velez' Nachfolger Abraham Weintraub laufen derzeit mehrere Ermittlungsverfahren. So hatte Weintraub die Richter des Obersten Gerichtshofs als "Vagabunden" bezeichnet und ihre Verhaftung verlangt. Zudem soll er Mitglied eines Fake-News-Netzwerks sein, das zu einem Militärputsch aufrief. Auch wegen rassistischer Beschimpfungen Chinas wird gegen ihn ermittelt. Zuletzt verließ Weintraub fluchtartig Brasilien und reiste in die USA ein, vermutlich mit einem ungültigen Diplomatenpass.

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