Befreiungstheologe und Prophet - Pedro Casaldáliga ist tot
In einfachen Jeans und Hemden, an den Füßen meist ein schlichtes Paar Badelatschen, folgte Bischof Pedro Casaldáliga seinem Lebensmotto: „Nichts besitzen, nichts mit sich tragen, nichts verlangen, nichts verschweigen und, vor allem, nichts töten.“

Bischof Pedro Casaldáliga (links) im Gespräch mit Landarbeitern. Archivfoto: R. Todd
Pedro Casaldáliga, spanischer Ordensmann und einer der profiliertesten Vertreter der Befreiungstheologie, ist tot. Der frühere Bischof von São Félix in Brasilien starb am Samstag, 8. August 2020, im Alter von 92 Jahren in der Stadt Batatais im Gliedstaat São Paulo. Dies geht aus einer gemeinschaftlichen Mitteilung des Claretiner-Ordens, der Prälatur von São Félix und des Augustinerordens hervor. Am Dienstag war er mit schweren gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Adveniat: "Ideal einer armen Kirche"
Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat würdigte Casaldáliga als Kämpfer für die Rechte der Rechtlosen, der in Armut lebenden Landarbeiter und der indigenen Völker. "Dom Pedro hat das Ideal einer armen Kirche an der Seite der Armen bereits seit Jahrzehnten gelebt, das heute Papst Franziskus immer wieder einfordert. Wie prophetisch er damit war, wurde in der Kirche lange Zeit nicht ausreichend anerkannt und gewürdigt", sagte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz. Casaldáliga habe die Kirche zu der Umkehr gerufen, die die Bischöfe auf der Amazonas-Synode gemeinsam mit Papst Franziskus zur Zukunftsvision erklärt hätten.
Der 1928 in der Nähe von Barcelona geborene Casaldaliga geriet Mitte der 80er Jahre aufgrund seiner Unterstützung für die Befreiungstheologie in Mittelamerika in Konflikt mit dem Vatikan. 1988 musste er in Rom beim damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, Bericht erstatten.
Einsatz für Indigene und Landarbeiter
In den letzten Jahren seiner Amtszeit engagierte er sich besonders für die Landrechte der Xavante-Indianer in Nordbrasilien. Dies trug ihm zahlreiche Morddrohungen ein. Anfang 2005 nahm Papst Johannes Paul II. Casaldaligas Amtsverzicht an. Der dem Claretiner-Orden angehörende Theologe litt seit Jahren an Parkinson und an Atemwegsproblemen.
Der Leichnam Casaldáligas wurde noch am Samstag (Ortszeit) in der Claretinerkapelle von Batatais aufgebahrt, bevor er dann am Montag in die Stadt Ribeirao Cascalheira überführt wurde. Von dort soll er zur Beerdigung nach São Felix transportiert werden. Ein Datum für die Beerdigung steht noch nicht fest.
Menschenrechtspreis für Casaldáliga
2012 erhielt Casaldáliga aus den Händen von Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff einen Menschenrechtspreis. Damit würdigte die Regierung das Engagement des seit 1968 im nordbrasilianischen São Felix do Araguaia lebenden Kirchenmanns für die Landrechte des indigenen Xavante-Volkes, das seit den 60er Jahren für eine Rückgabe seines traditionellen Siedlungslandes im nördlichen Bundesstaat Mato Grosso kämpft. Wegen Morddrohungen tauchte er im Dezember 2012 für drei Wochen unter.
Eine herausragende Rolle spielte Casaldáliga auch beim Kampf gegen die Lohnsklaverei, die in ländlichen Regionen und Großstädten Brasiliens immer noch anzutreffen ist. Der französische Dominikaner Xavier Plassat, der seit Jahrzehnten im Rahmen der brasilianischen Landpastoral aktiv ist, würdigte Casaldáligas Engagement: Er sei einer der wichtigsten Ideengeber für die Gründung der Landpastoral gewesen.