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Argentinien: Landbesetzungen durch arme Familien lösen Debatte aus

In Großraum Buenos Aires in Argentinien haben arme Familien große Flächen Land besitzt. Es kam bereits zu zahlreichen Verhaftungen. Armenpriester rufen zu einem Dialog auf. 

Die Armut in Argentinien wächst( Symbolfoto) Foto: Adveniat/Josefina Gonzalez

In der aktuellen Debatte um Landbesetzungen in Argentinien durch mittellose Familien fordert die Organisation der argentinischen Armenpriester einen breiten Dialog und einen runden Tisch. Es sei notwendig den Ruf des Volkes nach Land, Obdach und Arbeit zu hören, heißt es in einem offenen Brief, aus dem das Portal "Buenos Aires Negocios" am Wochenende zitierte. Es müssten Wege gefunden werde, um die urbane Integration der mehr als 4.400 Armenviertel im Land voranzutreiben, heißt es in dem Schreiben weiter.

Im Großraum Buenos Aires hatten zuletzt mehr als 2.500 arme Familien ein Areal besetzt. Laut einem Bericht der argentinischen Nachrichten-Webseite "Infobea" wurde im Süden von Buenos Aires bereits eine Fläche von rund 43 Quadratkilometer besetzt. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa einem Viertel der Stadtfläche Stuttgarts. Auf Fotos der besetzten Gebiete ist zu sehen, dass darauf bereits zahlreiche einfache Hütten aus Planen und Wellblech errichtet wurden. Das besetzte Land ist überwiegend in Staats- oder Privatbesitz. Auch aus anderen Landesteilen werden Landbesetzungen gemeldet.

Politische Debatte nach Landbesetzungen in Argentinien 

Der Umgang mit dem Phänomen hat indes eine politische Debatte ausgelöst. Der Sicherheitsminister von Buenos Aires, Sergio Berni machte klar, dass das "Recht auf Eigentum" geachtet werden müsse. Buenos Aires′ Gouverneur Axel Kicillof habe ihm diesbezüglich klare Anweisungen gegeben: "Jeder der einen Fuß in ein Territorium setzt, das einen Besitzer hat, wird verhaftet."  Im Zuge der Landbesetzungen gab es laut "Infobea"  bereits  524 Verhaftungen.  

Die Ministerin für innere Sicherheit in Argentinien, Sabina Frederic, sagte hingegen, es sei "kein Problem der inneren Sicherheit, sondern ein Problem des Wohnungsmangels." Der Druck auf dem Grundstücksmarkt müsse mit politischen Lösungen gemildert werden. 

Die Armutsbekämpfung war eines der zentralen Wahlkampfversprechen des Ende letzten Jahres gewählten Präsidenten Alberto Fernandez. Zuletzt ist die Armut aufgrund der Wirtschaftskrise und vor allem wegen der Corona-Pandemie stark angestiegen

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