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Ärzte ohne Grenzen: Corona breitet sich in Haiti rasant aus

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen spricht von inzwischen mehr als 2.600 positiv getesteten Personen in Haiti, nachdem es vor knapp einem Monat erst 100 waren. 

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Im Armenviertel Corail im Norden der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince können sich die Menschen vor einer Ansteckung mit Corona kaum schützen. Auch die Gesundheitsversorgung ist prekär. Foto: Adveniat/Martin Steffen

Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières - MSF) zufolge sind in Haiti bislang 50 Menschen infolge einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Die Zahlen dürften aber noch höher liegen. Derzeit gibt es in Haiti lediglich zwei Labore, die Covid-19-Tests auswerten können. MSF hat in der Hauptstadt Port-au-Prince ein Behandlungszentrum eingerichtet, das Erkrankte der Hilfsorganisation zufolge erst spät und dann bereits in einem kritischen Zustand aufsuchen. In dem Zentrum werden derzeit 25 Patienten behandelt.

Port-au-Prince ist das Epizentrum der Coronapandemie. Hier leben vier Millionen der elf Millionen Haitianer. Die Hauptstadt registriert fast 75 Prozent aller in Haiti gemeldeten Fälle und 60 Prozent der an Corona Verstorbenen. Von den Erkrankten sind 60 Prozent zwischen 20 und 44 Jahre alt, 27 Prozent sind zwischen 45 und 65 Jahre. Aus allen zehn Départements Haitis sind Fälle von Erkrankungen bekannt. 

Abstand einhalten in dichtbewohnten Armenvierteln kaum möglich 

Die Regierung hat den Ausnahmezustand verhängt. Das Auswärtige Amt rät derzeit von Reisen nach Haiti dringend ab. Deutschen Staatsangehörigen, die in dem Inselstaat leben, wird die Ausreise empfohlen. Offiziell gilt Social Distancing und das Tragen von Masken in Haiti als verpflichtend, aber viele Menschen können sich nicht an die Regeln halten, vor allem in den dicht bewohnten Armenvierteln von Port-au-Prince. Nicht zufällig gibt es hier die meisten gemeldeten Fälle von Covid-19. 

Als besondere Herausforderung für Haiti erweist sich die Rückkehr von Tausenden Migranten aus der benachbarten Dominikanischen Republik. Mit mehr als 17.000 Corona-Infizierten weist die Dominikanische Republik bei fast gleicher Bevölkerungszahl wie Haiti die meisten gemeldeten Covid-19-Fälle in der Karibik auf. Ärzte ohne Grenzen befürchtet, dass viele Haitianer mit Covid-19-Symptomen kein Krankenhaus aufsuchen. Dies fördere die Ausbreitung der Pandemie in den Gemeinden und verringere die Überlebenschancen der Erkrankten. Haitis ohnehin fragiles Gesundheitssystem könnte mit Corona allerdings überfordert sein. Mehrere Gesundheitseinrichtungen mussten bereits schließen, weil sich zu viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter infiziert hatten und es an Schutzausrüstung mangelte. Ärzte ohne Grenzen ist seit 1991 in dem Inselstaat tätig, der in den vergangenen Jahren immer wieder unter Naturkatastrophen und Epidemien gelitten hat.

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