Brasiliens nordöstlicher Bundesstaat Bahia befindet sich derzeit im Ausnahmezustand. Seit einer Woche streiken Teile der für die öffentliche Sicherheit zuständigen Landespolizei "Policia Militar". Sie fordern massive Lohnerhöhungen und Vergünstigungen. Um die öffentliche Ordnung zu gewährleisten, wurden von der Bundesregierung alleine in die Landeshauptstadt Salvador bisher gut 3.000 Elitesoldaten entsendet. Dort könnte es zu einem blutigen Showdown mit Polizisten kommen, die sich im Parlamentsgebäude verschanzt haben.
Am 12. Oktober erhebt sich zum 11. Mal der „Aufschrei der Ausgegrenzten“.
Ein ganzer Kontinent erhebt Jahr für Jahr am 12.Oktober seine Stimme. Es ist der „Aufschrei der Ausgegrenzten“ (Grito de los excluídos), der 1996 als Nationalkampagne in Brasilien begann und sich inzwischen zu einem Zusammenschluss von 22 Ländern entwickelt hat. „Für Arbeit, Gerechtigkeit und das Leben“ ist der Leitspruch, unter dem ein ganzes Volk auf Situationen der Ausgrenzung aufmerksam macht und nach Wegen aus diesem Missstand sucht.
Haitianer stehen auf für den Auszug der ausländischen Militärtruppen aus ihrem Land. In Panama steht die Forderung nach Recht auf Wasser an erster Stelle. Kubaner kämpfen gegen die Militarisierung des Kontinentes. In Paraguay gehen die Menschen für mehr Wohnraum auf die Straße.
Der Koordinator der diesjährigen Aktion, Luiz Basegio, freut sich über den wachsenden Mut und die klaren Forderungen der Teilnehmer. „Die Menschen verlieren die Angst sich auszudrücken“, so der brasilianische Theologe, „sie werden immer erfindungsreicher und mutiger ihre Stimme zu erheben und ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.“ Der „Aufschrei der Ausgegrenzten“ habe in den vergangenen Jahren Organisationen und soziale Bewegungen für sich gewinnen können. Gleichzeitig versuchten viele Regierungen das Engagement der Menschen zu unterbinden.