24.05.2017

Bolivien

Zehn Jahre Gefängnis für Ex-Geliebte von Evo Morales

War verstrickt in eine Affäre mit einer Unternehmerin: Boliviens Präsident Evo Morales, hier beim Karneval in La Paz 2015. Foto: Adveniat/Achim Pohl.

Im Prozess um Betrug und Korruption gegen Gabriela Zapata, Ex-Geliebte des bolivianischen Präsidenten Evo Morales, hat ein Gericht in La Paz die Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt. Die Frau, mit der Morales zu Beginn seiner Präsidentschaft von 2005 bis 2007 eine kurze Liebesaffäre eingegangen war, hatte als Ex-Managerin der chinesischen Baufirma CAMC Engineering sieben staatliche Ausschreibungen in Höhe von 560 Millionen Dollar abschließen können. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ABI im Zusammenhang mit dem Urteilsspruch.

"Ich weiß nicht, was ich vorgetäuscht haben soll, welches Bild von mir besteht", appellierte Zapata in ihrem Abschlussstatement vor Gericht, so die Tageszeitung "La Razón". Ermittlungen hatten ergeben, dass Zapata und der mit ihr zu drei Jahren Haft verurteilte Mittäter - ihr Anwalt - Räumlichkeiten eines Ministeriums in La Paz genutzt hatten: Dort hielten sie Treffen mit Geschäftsleuten aus dem Ausland ab, um den Eindruck zu erwecken, sie seien enge Regierungsvertraute. Zwei weitere Geschäftspartner Zapatas müssen je zwei Jahre in die Haftanstalt von San Pedro. Eine ehemalige Abteilungsleiterin aus dem Präsidentschaftspalast wurde zu vier Jahren verurteilt.

Dubiose Spekulationen über gemeinsamen Sohn

Anfang 2016, kurz vor einem Referendum über eine Verfassungsänderung in Bolivien, die Evo Morales eine erneute Wiederwahl gesichert hätte, hatte der regierungskritische Journalist und Ex-Geheimdienstler Carlos Valverde mit Enhtüllungen über Gabriela Zapata großes Aufsehen erregt. Er berichtete darüber, dass die Unternehmerin Zapata und Präsident Morales einen gemeinsamen Sohn hätten. Außerdem nahm der Journalist die öffentlichen Aufträge an die Zapatas ehemalige Firma CAMC unter die Lupe. Morales reagierte zunächt mit widersprüchlichen Aussagen über seine Beziehung zu Zapata, gestand sie aber schließlich ein.

Die studierte Politikwissenschaftlerin Zapata hatte später noch behauptet, der kurz nach seiner Geburt gestorbene Sohn mit Evo Morales sei noch am Leben; der Präsident würde diesen nicht anerkennen und keinen Unterhalt leisten. Als Beweis präsentierte sie der Öffentlichkeit Fotos eines Jungen, den sie als das gemeinsame Kind ausgab. Beobachter führen Evo Morales' anschließende knappe Niederlage beim Verfassungsreferendum auf die wochenlange Skandalberichterstattung zurück. (bb)

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