11.02.2014

Mexiko

"Wir wollen ihn lebend"

Wieder ein gezielter Angriff auf Mexikos Pressefreiheit. Der mexikanische Journalist Gregorio Jiménez de la Cruz wurde vergangenen Mittwoch, 5. Februar, aus seinem Haus in Coatzacoalcos im Bundesstaat Veracruz von einem bewaffneten Kommando entführt. Seitdem fehlt von dem Reporter jede Spur. Eine Ermittlungskommission aus Beamten der Bundes- und Staatspolizei sowie Militär und Marine haben noch am selben Tag eine Suchaktion im Süden von Veracruz eingeleitet. Doch seitdem fehlt von dem Reporter jede Spur. Die fünfköpfige Familie des vermissten Reporters befindet sich zurzeit unter Polizeischutz.

Journalist berichtete über Entführungsfälle

Gregorio Jiménez de la Cruz hatte sich auf Kriminalität spezialisiert und schrieb für die regionalen Zeitungen Notisur und Liberal del Sur. Täglich informierte er in den beiden Medien über Entführungsfälle. In den letzten Tagen hatte er laut Informationskoordinatorin Sayda Chiñas Córdova von Notisur über eine Welle von Entführungen in der Gemeinde Coatzacoalcos berichtet. Die am Golf von Mexiko gelegene Hafenstadt ist bekannt für ihre Erdölindustrie, wird jedoch vom mächtigen Drogenkartell Los Zetas kontrolliert.

Die Nationale Menschenrechtskommission Mexikos (CNDH) hat parallel zu den polizeilichen Ermittlungen eine gesonderte Untersuchung des Falles eingeleitet. Ebenfalls überwacht sie die Arbeiten von Polizei und Staatsanwaltschaft, um vorzubeugen, dass wichtiges Beweismaterial und Spuren, die zum Vermissten führen könnten, bewusst verloren gehen.

Demonstrationen in mehreren Städten

Mehrere Tage in Folge demonstrierten Journalisten und Familienmitglieder des Opfers in verschiedenen Städten, um auf die Entführung ihres Kollegen und Verwandten sowie die gefährliche Situation für Journalisten im Land aufmerksam zu machen. Mit Chören wie "Lebend haben sie ihn mitgenommen, lebend wollen wir ihn wieder", forderten sie den Gouverneur von Veracruz, Javier Duarte de Ochoa, sowie die verantwortlichen Behörden auf lokaler und staatlicher Ebene auf, im Fall Jiménez de la Cruz schnell und umfassend zu agieren. Die Organisation "Periodistas de a pie" klagte den Fall in öffentlichen Netzwerken wie Facebook und Twitter an. Im Internet veröffentlichte sie ein Video, in dem sie über die prekäre Lage der Pressefreiheit in Mexiko berichtet.

Eingeschränkte Pressefreiheit in Mexiko

Nach Meinung verschiedener Menschenrechtsorganisationen gilt Mexiko für Medienvertreter als das gefährlichste Land weltweit. Allein im ersten Jahr der Amtszeit von Präsident Enrique Peña Nieto wurden sechs Journalisten ermordet, vier weitere gelten als vermisst. Insgesamt 124 Aggressionen gegen Medieneinrichtungen wurden in dieser Zeit registriert. Veracruz ist mit Abstand eines der gefährlichsten Bundesländer, um Meinungsfreiheit auszuüben. Ein Dutzend Journalisten hat das Bundesland bereits aufgrund der hohen Gewalt, ausgelöst durch den blutigen Drogenkrieg zwischen Drogenkartellen und Staatseinheiten, verlassen. (sck)

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