13.06.2018

Nicaragua

Weitere Tote bei Protesten in Nicaragua

Demonstrantinnen am Sonntag in Managua. Foto: Reuters/J. Cabrera

Bei Demonstrationen gegen die Regierung in Nicaragua sind mindestens fünf Menschen getötet worden. Die Opposition ruft nun zu einem Generalstreik gegen die sandinistische Regierung von Daniel Ortega auf.

In Nicaragua halten die Proteste gegen die Regierung an. Die Oppositionsbewegung "Allianz für die Demokratie" ruft zu einem 24-stündigen Generalstreik am Donnerstag, 14. Juni 2018, auf, wie die regierungskritische Zeitung "La Prensa" berichtete. Das Bündnis aus Teilen der Zivilgesellschaft, Studenten- und Kleinbauernverbänden fordert Nicaraguas sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega zum Rücktritt auf.

Erneut wurden bei den Protesten Menschen getötet. In der Stadt Jinotega, rund 140 Kilometer von der Hauptstadt Managua entfernt, wurde ein 21-Jähriger erschossen, wie die Zeitung "El Nuevo Diario" am Dienstag meldet. Zudem sei später ein weiterer Toter gefunden worden. Im Nordosten des lateinamerikanischen Landes sei ein Bauer erschossen worden, berichtet die Zeitung. Dutzende seien außerdem verletzt worden. In der Stadt Jinotepe starben zwei Kriegsveteranen, die die Polizei unterstützen. Unterstützer des umstrittenen Präsidenten Daniel Ortega sowie Polizei und Schlägertrupps hatten am Dienstagmorgen in mehreren Städten des Landes Straßensperren angegriffen. Mehrere Dutzend Menschen wurden festgenommen, wie der Direktor der Vereinigung für Menschenrechte Nicaraguas, Alvaro Leiva, mitteilte.

Ein Land in Schockstarre

Die Proteste gegen den autoritären Präsidenten und dessen Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo, dauern bereits fast zwei Monate an. Sie hatten sich ursprünglich an einer Sozialreform entflammt, die Ortega aber später zurückzog. Seither gehen die Menschen auf die Straßen, um einen Rücktritt des Politiker-Ehepaars und ein Ende der autoritären Regierung zu fordern. Bislang wurden bei den Protesten etwa 150 Menschen getötet. "In den vergangenen Tagen hat sich die Situation noch zugespitzt. Nahezu täglich kommen neue Opfer hinzu", teilte der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Nicaragua, Benito Rivas, mit. "In vielen Straßen stehen Panzer, die die wichtigsten Verkehrsverbindungen blockieren. Viele unserer Mitarbeiter arbeiten von Zuhause aus, weil der Weg zur Arbeit zu gefährlich ist." Seit die Friedensgespräche zwischen den Parteien abgebrochen wurden, befänden sich die Menschen in Angst und Unsicherheit, "sie sind in Schockstarre", sagte Rivas.

Menschenrechtsorganisationen und die Opposition machen regierungsnahe paramilitärische Banden und die Sicherheitskräfte für die Gewalt verantwortlich, die Regierung wirft den Demonstranten vor, für die Ausschreitungen verantwortlich zu sein. Auf einen Vermittlungsvorschlag der katholischen Bischöfe des mittelamerikanischen Landes hat Ortega bislang noch nicht reagiert. "Die Aussichten sind niederschmetternd", sagte Benito Rivas. Die Organisation SOS-Kinderdörfer habe mit anderen Hilfsorganisationen einen dringenden Appell unter anderem an den Ombudsmann für Menschenrechte sowie an Kirchenvertreter in Nicaragua geschickt. Darin werde ein Report zur Situation der Kinder und eine Versammlung eingefordert, um sich gemeinsam für einen besseren Schutz der Kinder einzusetzen.

Quelle: Deutsche Welle, stu/AR (kna, dpa)

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