02.07.2015

Kolumbien

Umweltkatastrophe nach FARC-Anschlag

Nach der Ölkatastrophe bangen viele Menschen in Tumaco um ihre Existenz als Fischer. Foto: Adveniat/Escher.

Ein Anschlag der FARC auf eine Ölpipeline zieht in der kolumbianischen Pazifikregion eine Umweltkatastrophe mit nicht kalkulierbaren Folgen nach sich. Über 1,5 Millionen Liter Erdöl sind in etliche Flüsse mit direkter Verbindung zum Pazifik geflossen und haben einen Ölteppich von rund 80 Kilometern Durchmesser gebildet. Die endgültigen Folgen für das Ökosystem werden vermutlich erst in vielen Jahren absehbar sein, Kolumbien Präsident Santos nennt es die "vielleicht größte Umweltkatastrophe des Landes". In einer Stellungnahme bedauert die FARC-Führung die "nicht gewünschten Folgen" des Anschlages.

Dazu zählen auch die immensen sozialen Folgen: wegen der Verschmutzung der Flüsse musste das größte Wasserwerk Tumacos komplett geschlossen werden und über 160.000 Bürger der Region befinden sich seit fast zwei Wochen ohne Wasser. Zur Wiederherstellung der Grundversorgung benötigen die Wasserwerke nach eigenen Angaben noch mindestens 25 weitere Tage. Obwohl der Staat versucht, die Situation mit Wassertankern unter Kontrolle zu kriegen, bat Tumacos Bürgermeister Víctor Gallo Präsident Santos einen sozialen und wirtschaftlichen Notstand auszurufen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Denn nicht nur die Wasserknappheit macht den Bewohnern der Region Angst, 75 Prozent der Bevölkerung bezieht ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt vom Fischfang - eine Tätigkeit, die der Ölteppich fast unmöglich macht.

Der Anschlag steht in einer seit über einem Monat andauernden Reihe von ähnlichen Anschlägen auf Infrastrukturanlagen im ganzen Land. Oft trifft die FARC mit ihren Attacken indirekt vor allem marginalisierte Teile der Bevölkerung. Die beidseitige Eskalation des Konfliktes steht damit im direkten Widerspruch zu den ideologischen Aussagen der FARC-Führung in Havanna, genauso wie die Friedensrhetorik des Präsidenten zur gleichzeitigen militärischen Offensive. In diesem Kontext ist die Gefahr von wachsendem Unmut und Unverständnis gegenüber dem Friedensprozess in der Bevölkerung groß, eine Gefahr, die den Prozess neben der militärischen Eskalation zusätzlich gefährden könnte. (jb)

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