10.11.2017

Bolivien, Peru

Titicaca-Riesenfrosch in Not

In manchen Gegenden des Titicacasees ist er bereits verschwunden - der Titicaca-Riesenfrosch, den es nur hier gibt. Bild: Wikipedia

Vor zwei Jahren machte der Titicacasee Schlagzeilen: Ein Massensterben von Riesenfröschen alarmierte Umweltschützer - und richtete den Blick auf die andauernde Verschmutzung des größten Süßwassersees Südamerikas.

Umweltschützer Arturo Munoz Saravia von der bolivianischen Amphibien-Initiative des Museo de Historia Natural Alcide d'Orbigny erinnert sich noch gut an die Zehntausenden Froschleichen, die plötzlich vor allem im bolivianischen Teil des Titicacasees auftauchten, dem sogenannten Katari-Becken. Seit 2008 wird ein regelmäßiges Monitoring betrieben - doch das war neu.

"Wir hatten keine Ahnung, welche Gründe das Sterben haben könnte", sagt er. In einigen seichteren Abschnitten waren die Frösche ganz verschwunden, in anderen Gegenden waren sie viel kleiner als sonst. Auf einer Fläche von 400 Quadratkilometern schienen nur die jungen Frösche zu überleben. Die Ursache, so weiß man inzwischen, ist menschengemacht. Rund zwei Millionen Menschen leben im direkten Einzugsgebiet des Sees; zwei Großstädte, Puno auf peruanischer Seite (180.000 Einwohner) und El Alto beziehungsweise La Paz in Bolivien (zusammen rund 1,5 Millionen Einwohner), wachsen schnell. Seit jeher leiten sie ihre Abwässer direkt in den Fluss. Zudem werden über Flüsse und Bäche Schwermetalle wie Quecksilber und Brom in den See geschwemmt. Die Folgen etlicher größtenteils illegaler Goldminen in den umliegenden Bergen.

Abwasser und Schwermetalle

Vor allem die Klärschlämme von El Alto und La Paz setzen dem See zu. Nicht nur den Fröschen; auch Vögel und Fische sind betroffen und mit ihnen die Menschen, die als Fischer und Jäger direkt vom See leben. Der Titicacasee wird praktisch überdüngt. Die Schlämme sorgen für ein verstärktes Wachstum von Blaualgen. Die produzieren am Tag Sauerstoff - doch nachts entziehen sie ihn dem Wasser wieder, wie Munoz Saravia erläutert. Die Tiere ersticken dann. Die Eintragungen sorgen noch für ein weiteres Problem: Sie lagern sich am Seegrund ab und verrotten. Kommt es zu starken Gewittern mit viel Regen oder starken Stürmen, wird der Grund an den seichten Stellen aufgewirbelt. So werden in großer Menge Faulgase freigesetzt.

Das Froschsterben hat die beiden Anrainerstaaten Peru (60 Prozent des Sees und Bolivien (40 Prozent) alarmiert und aufgeschreckt. Perus Staatspräsident Pedro Pablo Kuczynski kündigte im Januar 2017 an, seine Regierung wolle gut 400 Millionen US-Dollar in Klärwerke investieren. Auch in Bolivien will man mit mehr als 60 Millionen Dollar etwas für die Reinhaltung tun. Ob damit inzwischen begonnen wurde, ist schwer zu sagen. Auf Anfragen zum Planungs- und Baufortschritt reagierte die zuständige peruanische Umweltbehörde Serfor nicht.

Größtes Trinkwasserreservoir Südamerikas

Die Verschmutzung ist fatal, auch für den Menschen. Der Titicacasee ist eines der größten Trinkwasserreservoirs Südamerikas. Fischerei ist nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftszweig. Die Nachfahren des Indigenenvolks der Uros leben teils noch auf schwimmenden Inseln auf dem See. Sie bestreiten einen Großteil ihres Unterhalts mit Fischerei und Jagd - auch wenn der Tourismus inzwischen die Haupteinnahmequelle ist. Jährlich kommen rund 750.000 Touristen aus aller Welt, um den auf 3.800 Metern gelegenen und rund 8.000 Quadratkilometer großen Süßwassersee zu bestaunen.

Inzwischen sind die politischen Versprechen auch schon wieder fast ein Jahr her. Die Städte wachsen weiter, wertvolle Zeit verstreicht. Immerhin: Nicht nur der Politik ist das Problem bewusst, auch Organisationen und Forschungseinrichtungen in der ganzen Welt beteiligen sind am Schutz und an der Forschung, darunter die Zoos von Kansas und Atlanta in den USA, die Organisationen Stiftung Artenschutz aus Deutschland, Amphibian Ark und Durrell Wildlife Conservation Trust sowie die Universität Gent in Belgien.

Weil sie nicht warten wollen und können, haben die Umweltschützer der Amphibien-Initiative begonnen, einige Riesenfrösche aus dem See zu nehmen. Sollte das Froschsterben irgendwann wieder beginnen, hätte man immerhin eine kleine Population übrig, mit der man eine Wiederansiedlung versuchen könnte. Denn diese Tierart gibt es nur am Titicacasee.

Quelle: KNA, Autor: Andreas Nöthen

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