10.11.2017

Lateinamerika

Studie: Uruguay bietet die besten Arbeitsbedingungen

Arbeiter in einer Fabrik in Ciudad Juárez an der US-mexikanischen Grenze. Foto (Symbolbild): Adveniat/Escher

Die besten Arbeitsplätze in Lateinamerika finden Arbeitnehmer in Uruguay, Chile und Panama. Das geht aus einer Studie der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) hervor, die die Institution am 9. November 2017 veröffentlicht hat.

Zu diesem Zweck erstellte die BID für 17 Länder der Region einen eigens entwickelten Index. Dieser Index bezieht sowohl die quantitative als auch die qualitative Dimension von Arbeit in die Bewertung mit ein.

Die quantitative Dimension wird durch die Indikatoren Erwerbsquote und Beschäftigungsquote abgebildet. Die qualitative Dimension durch den Anteil der Arbeitsplätze, die sozialversicherungspflichtig sind, sowie den Anteil an Arbeit, der ausreichend bezahlt ist, um oberhalb der Armutsgrenze zu leben. Die jeweiligen Werte werden durch absolute Zahlen zwischen 0 und 100 abgebildet. Der Mittelwert ergibt den Index und liegt für Lateinamerika im Durchschnitt bei 57,12.

Formalität von Arbeit ist ausschlaggebend

Uruguay erlangt in allen vier Kategorien die höchsten Werte der Region und erreicht einen Index von 71,91. Neben der hohen Beschäftigungsquote liegt das laut der BID-Expertin Carmen Pagés darin begründet, dass es der Regierung des Landes gelungen ist, durch eine gezielte Politik möglichst vielen Menschen einen Zugang zur sozialen Absicherung zu geben. Ähnliches lässt sich für Chile feststellen, das mit 64, 95 Punkten auf Rang zwei liegt.

Die Schlusslichter der Region bilden die zentralamerikanischen Staaten Honduras und Guatemala. Pagés verdeutlicht die Problematik dieser Länder anhand von Guatemala: "In Guatemala gibt es sehr viele Menschen, die arbeiten, die sogar sehr viel arbeiten. Nur leider bietet diese Arbeit nicht die Einnahmen, die notwendig sind, um eine Familie aus der Armut zu befreien oder die Bedingungen, um soziale Sicherheit zu bieten".

Wie stehen die Chancen für Frauen und Jugendliche?

Darüber hinaus wurden die Unterschiede der Werte zwischen Männern und Frauen sowie Jungen und Alten ermittelt. In Uruguay ist auch die Differenz der Indikatoren zwischen Männern und Frauen mit 15,6 Punkten am niedrigsten. Frauen haben demnach einen ähnlichen guten Zugang zum Arbeitsmarkt und profitieren davon in einem ähnlichen Maße. Es folgen Peru (17,49) und Brasilien (19,44). Guatemala (33) belegt in dieser Statistik ebenfalls den letzten Platz, jedoch offenbaren sich auch in Costa Rica (30,06) und Ecuador (28,88) eklatante Unterschiede zwischen Männern und Frauen. In diesen Ländern sind Frauen massiv benachteiligt. Die durchschnittliche Differenz für die Region liegt bei 22, 5 Punkten.

Uruguay ist außerdem unschlagbar, wenn es um die Arbeitsbedingungen für junge Menschen geht (58,77). Es folgen Chile (56,29) und Costa Rica (55,29). Die zentralamerikanischen Staaten Guatemala (39,8), Honduras (39,74), El Salvador(39,86) und Nicaragua (40,83) sind auch in dieser Kategorie die Sorgenkinder der Region. Der BID zufolge gibt diese Betrachtungsweise auch Aufschluss darüber, wie gut die Bildungssysteme in den einzelnen Ländern sind. "Die in der Schule gelernten Fähigkeiten bilden die Grundlage für den Arbeitsmarkt und dafür, sich später weiterzubilden", erläutert die Expertin Carmen Pagés.

Grundsätzlich betont die BID, dass informelle Arbeit das größte Problem für die Region darstellt und es Aufgabe der Regierungen ist, dieser durch eine entsprechende Arbeitsgesetzgebung entgegenzuwirken.

Autorin: Anna-Maria Jeske

Link zur BID-Studie

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