19.04.2017

Brasilien

Stadt Rio muss für Abtreibungsverweigerung zahlen

Ein städtisches Krankenhaus in Rio de Janeiro hatte die Abtreibung eines Fötus ohne Gehirn abgelehnt und muss der Mutter nun eine Entschädigung zahlen.

Die Stadt Rio de Janeiro muss eine Frau entschädigen, nachdem dieser von einem städtischen Krankenhaus eine nach dem Gesetz erlaubte Abtreibung verweigert worden war. Das berichten örtliche Medien vergangene Woche. Die Frau hatte Untersuchungen vorgelegt, nach denen der Fötus ohne Gehirn, einer sogenannten Anenzephalie, heranwuchs. Das Kind verstarb eine Stunde nach der Geburt. Einer Mutter sei nicht zuzumuten, ein Kind unter diesen Umständen auszutragen, heißt es in dem nun ergangenen Urteil.

Das städtische Krankenhaus Fernando Magalhaes ist als Frauenklinik auf legale Abtreibungen spezialisiert. Im Mai 2014 reichte die damals in der zwölften Woche schwangere Frau Unterlagen zu drei Untersuchungen ein, die die Fehlbildung Anenzephalie diagnostizierten. Dabei schließt sich die Schädeldecke nicht, zudem fehlen Teile oder das gesamte Gehirn.

15.000 Euro Entschädigung

Obwohl in diesen Fall eine Abtreibung gesetzlich erlaubt ist, verlangten die Ärzte eine spezielle Genehmigung durch ein Gericht. Da die Frau diese Genehmigung nicht erwirken konnte, trug sie das Kind bis zur Geburt im Oktober 2014 aus. Es verstarb kurz danach. Die Weigerung der Ärzte habe die Frau einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt sowie ihre Würde und ihr Recht auf freie Entscheidung verletzt, urteilte das zuständige Gericht nun. Zusätzlich zu einer Entschädigung in Höhe von umgerechnet 15.000 Euro muss die Stadt auch die Beerdigungs- sowie die Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen.

Abtreibungen sind in Brasilien bei Vergewaltigungen und bei einer Gefährdung für die Gesundheit der Mutter erlaubt. Im Jahr 2012 entschied Brasiliens Oberstes Gericht, dass Frauen auch in Fällen von Anenzephalie abtreiben dürfen.

Quelle: KNA.

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