06.12.2017

Lateinamerika

Politik muss dienen

Kardinal Ruben Salazar, Präsident des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM und Gastgeber eines Treffens zwischen Kirchenvertretern und Politikern in Bogota. Foto: Adveniat/Achim Pohl

Mit einem Appell an die Einigkeit der Lateinamerikaner ist das erste Treffen von Kirchenvertretern und katholischen Politikern in Bogota zu Ende gegangen. Dabei ging es auch um Korruption.

Viel aktueller hätte die Grußbotschaft von Papst Franziskus nicht sein können. Politik sei eine Dienstleistung und eben nicht dazu da, individuellen Ambitionen zu dienen, erklärte das argentinische Kirchenoberhaupt in einer Videobotschaft, die den rund 90 "katholischen Politikern mit sozialer Verantwortung für die lateinamerikanischen Völker" bei ihrem ersten Treffen in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota vorgespielt wurde.

Eingeladen hatten als Gastgeber der Präsident des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, Kardinal Ruben Salazar, zugleich auch Erzbischof von Bogota und der kanadische Kardinal Marc Ouellet, Präsident der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Die Initiative für das Treffen von Kirche und Politikern am Sitz des CELAM ging von Papst Franziskus selbst aus. Kirche und lateinamerikanische Politik sollten zusammenfinden und diskutieren.

Heikle Themen auf der Tagesordnung

Auf die Tagesordnung kamen durchaus heikle Themen. Die Forderung des Papstes nach dem dienenden und nicht konsumierenden Politiker könnte nicht aktueller sein. Gerade wird Lateinamerika von einem riesigen Korruptionsskandal rund um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht erschüttert. Betroffen sind Politiker aus allen ideologischen Lagern. Mehrere 100 Millionen US-Dollar Schmiergeld zahlte Odebrecht an Präsidenten und Minister, Funktionsträger und Parteiführer. Ein Schaden nicht nur für die Volkswirtschaft, sondern auch für das Ansehen der gesamten lateinamerikanischen Politik.

Entsprechend aufmerksam verfolgten die Teilnehmer einen Vortrag der Chefin der Anti-Korruptionsbehörde in Honduras, Gabriela Alejandra Castellanos Lanza, die einen Hauptgrund für die Probleme der Region klar definierte: "Der Makel der Korruption ist, was unseren lateinamerikanischen Völkern am meisten Schaden zufügt."

Risiko der Neo-Kolonialisierung Lateinamerikas

Guzman Carriquiri, Sekretär der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, warnte vor einem Risiko der Neo-Kolonialisierung des Kontinentes und wies auf die Herausforderungen hin, denen sich die Politiker stellen müssten: Armut, Gewalt und Migration seien neben anderen Themen besonders aktuell. Um diese Probleme zu lösen, sei eine fundamentale Wende in der Wirtschafts- und Sozialpolitik notwendig: "Es ist nicht nur, dass die Armut und Ungleichheit gewalttätige Reaktionen provoziert, sondern weil das soziale und wirtschaftliche System in seinen Wurzeln ungerecht und gewalttätig ist."

Kardinal Marc Ouellet forderte die Politiker auf, sich dafür einzusetzen, dass Lateinamerika sich nicht von Ideologien kolonialisieren lasse, sondern auf eine eigene kreative Strategie setze. Dazu sei auch der Geist des Mutes notwendig, um einen Weg der Gerechtigkeit zu finden. Kardinal Salazar war es vorbehalten die Schlussworte zu sprechen. Darin appellierte er an die Einigkeit der Lateinamerikaner: "Das waren wundervolle Tage. Wir haben hier die Realität erlebt, dass wir ein Volk sind."

Quelle: KNA, Autor: Tobias Käufer, Foto: Adveniat/Achim Pohl

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