11.08.2017

Peru, Venezuela

Peru hilft Flüchtlingen aus Venezuela

Venezolanische Küche in Peru: Der Stand von Max Coloma. Foto: DW/E. Vannes

Viele Venezolaner fliehen vor der aktuellen Krise in andere südamerikanische Länder. In Peru will die Regierung ihnen einen Neuanfang ermöglichen - mit einer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

Max Coloma lebt in einer kleinen Wohnung in San Martin de Porres. Es ist einer der ärmeren Stadtteile von Lima, in dem nach Sonnenuntergang die Kriminalität auflebt. Dem früheren venezolanischen Anwalt ist das egal: Sein Heimatland steht durch Hunger und Gewalt am Rande eines Zusammenbruchs. Im Vergleich dazu sind die Straßen von Lima für Coloma ein Paradies. Hier kann er unterwegs sein, ohne um sein Leben fürchten zu müssen.

Als er vor zwei Jahren nach Peru kam, fing Coloma an, Arepas zu machen - Maisfladen, die in Venezuela überall verkauft werden. Er wartete an Bushaltestellen und anderen Orten, wo viele unterwegs sind, und verkaufte die traditionelle venezolanische Spezialität an Passanten. Inzwischen ist aus seinem kleinen Unternehmen ein Lieferdienst geworden. In seiner Küche beugt sich der Venezolaner über den kleinen Herd, um seine Gerichte zuzubereiten. Aus den einfachen Sandwiches wurde eine einzigartige Mischung von peruanischer Küche mit Rezepten aus seiner Heimat.

"Zuerst waren die Peruaner meinem Essen gegenüber misstrauisch. Ich glaube, sie sind ein bisschen verwöhnt, was Essen angeht, sehr stolz auf ihre traditionellen Gerichte", sagt Coloma der DW. "Aber als sie es erst einmal probiert hatten, mochten sie es. Jetzt werden meine Lieferungen vor allem über Mundpropaganda beworben."

Colomas Geschichte ist nur eine von vielen. Es gibt zahlreiche Beispiele für das unternehmerische Geschick von tausenden Venezolanern, die in letzter Zeit nach Peru gekommen sind und nun in der Hauptstadt Lima ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. Die Venezolaner haben in ihrer Heimat Not und Unterdrückung erlebt - im Andenstaat sind sie willkommen. Im Februar erteilte Peru allen Venezolanern, die im Land waren, eine vorübergehende Arbeitserlaubnis. Damit haben sie die Möglichkeit, ein Unternehmen zu gründen oder einen Job anzunehmen. Diese Permisos Temporal de Permanencia (PTP) gibt Venezolanern die Möglichkeit, ein Jahr legal in Peru zu arbeiten; danach können sie eine Verlängerung beantragen.

Die Arbeitserlaubnis können alle beantragen, die keine Vorstrafen haben und legal eingereist sind. Ursprünglich sollten 5000 PTP ausgestellt werden. Doch Regierungsstatistiken zufolge haben mittlerweile mehr als 11.000 Venezolaner eine Arbeitserlaubnis erhalten.

Politische Einstellungen sind egal

"Es ist interessant, wie viele Venezolaner, die jetzt nach Peru kommen, tatsächlich peruanische Vorfahren haben, die vor dem Bürgerkrieg in den 1980er Jahren geflohen sind", sagt Oscar Perez Torres, der seit 2009 im Exil in Peru lebt. Perez ist mittlerweile Sprecher der venezolanischen Gemeinde in Peru. Er steht in direktem Kontakt mit dem peruanischen Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski, um für seine Landsleute einzutreten.

Perez besuchte an einem Sonntag ein Festival der venezolanischen Küche in Lima. Dort stellten rund 20 venezolanische Unternehmer wie Coloma ihre Speisen und Getränke vor. Ein junges Paar verkaufte den Fruchtpunsch Tizana, den sie normalerweise auf den Straßen des ärmere Stadtteils Los Olivos verkaufen; ein anderes Paar entwickelte seine eigene Version von ponche crema, einem sahnigen Likör.

Eins ist typisch für die venezolanischen Unternehmer: Viele von ihnen arbeiten in ihren Wohnungen. Schließlich fangen sie in Peru bei Null an. "Politische Einstellungen spielen in der venezolanischen Diaspora in Peru keine Rolle", sagt Perez und meint damit die Spaltung Venezuelas in eine schrumpfende Gruppe von Chavistas, die die Regierung unterstützen, und die Demonstranten auf der anderen Seite. "Letztendlich ist es für uns alle wichtig, ganz normal unseren Lebensunterhalt zu verdienen und das ist in Venezuela nicht mehr möglich."

Die Bereitschaft ist da

Pérez zufolge gibt es einen großen Bedarf an zusätzlichen Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen, weil in den letzten Wochen immer mehr Venezolaner nach Peru kamen. Und es werden noch mehr erwartet, während Venezuela im Chaos versinkt. "Das Gute ist, dass Peru die Kapazität hat, sie alle aufzunehmen. Und auch die Bereitschaft dazu ist da", so Pérez.

Max Coloma sagt, dass er in Peru bleiben möchte. Er will mit seinem Lieferdienst einen Schritt weitergehen und ein Restaurant eröffnen. Auch wenn die venezolanische Regierung jetzt gestürzt würde und der Weg für politische Stabilität frei wäre, glaubt Coloma, dass die Gesellschaft so viel Schaden genommen hat, dass sie frühestens in zehn Jahren zur Normalität zurückgekehrt sein wird.

"Ich muss realistisch sein", sagt er. "Das sind die produktiven Jahre meines Lebens. Jetzt baue ich mir gerade ein Leben hier in Lima auf. Wenn ich das alles wieder hinter mir lassen und noch einmal von vorne anfangen müsste, wäre das ein Problem."

Autor: Juriaan van Erten, Quelle: Deutsche Welle

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