13.03.2018

Papst Franziskus

Papst Franziskus - Superman der katholischen Kirche?

Franziskus, der erste Papst aus Lateinamerika, ist seit fünf Jahren im Amt.

Mauern einreißen ist seine Mission. Nach fünf Jahren im Amt ist Papst Franziskus, erster lateinamerikanischer Pontifex im Vatikan, zum theologischen und politischem Popstar avanciert. Eine Bilanz.

Beten ist politisch. Besonders an der Mauer zwischen Mexiko und den USA. Papst Franziskus scheut keine deutlichen Worte: "Eine Person, die daran denkt, Mauern anstatt Brücken zu bauen, ist nicht christlich. Das ist nicht das Evangelium."

Vor zwei Jahren kritisierte Papst Franziskus während seiner Mexikoreise mit diesen Worten die Pläne von US-Präsident Donald Trump, die Mauer zwischen Mexiko und den USA auszubauen. Auch der Besuch von Trump im Mai 2017 im Vatikan konnte diese geistige Mauer zwischen den beiden Männern nicht mehr einreißen.

Seit fünf Jahren ist der mittlerweile 81-jährige Argentinier Jorge Bergoglio als erster lateinamerikanischer Papst im Amt. Und schon zwei Minuten nach seiner Wahl am 13. März 2013 war klar: Dieser Papst vom "anderen Ende der Welt", wie sich Bergoglio damals selbst vorstellte, ist anders als seine Vorgänger.

Revolution auf Kuba

Denn Franziskus ist politisch und pastoral zugleich. Er betet an der Mauer in Bethlehem für Frieden zwischen Israel und Palästina. Er nimmt Flüchtlinge im Vatikan auf. Er fädelt das Ende der politischen Eiszeit zwischen Kuba und den USA ein. Und er vergibt Frauen, die abgetrieben haben.

"Franziskus möchte Trennungen überwinden und nicht mit Mauern zementieren, da ist er sehr politisch", sagt der Papst-Vertraute Bernd Klaschka, ehemaliger Hauptgeschäftsführer des bischöflichen Hilfswerkes für Lateinamerika Adveniat. "In Lateinamerika spielt Franziskus eine ähnliche Rolle wie Johannes Paul II. in Europa, der zum Mauerfall mit beigetragen hat." Auch wenn die Mauer zwischen Mexiko und den USA weiter wächst - in Kolumbien und Kuba gelang es Franziskus, Mauern einzureißen. Durch geschickte Vermittlung zwischen den Konfliktparteien wurden jahrzehntelange Konflikte entschärft. Damit nicht genug: Auch der Besuch von Franziskus 2015 in der Zentralafrikanischen Republik führte zu einem Waffenstillstand und freien Wahlen.

Europa adé

Innerhalb der katholischen Kirche stehen die Zeichen ebenfalls auf Veränderung, allerdings ist dies erst auf den zweiten Blick erkennbar. Durch die Ernennung von neuen Kardinälen aus Lateinamerika, Afrika und Asien und die zunehmenden Entscheidungsbefugnisse der nationalen und regionalen Bischofskonferenzen sägt Franziskus an der Vormacht des Vatikans. Von den insgesamt 49 Kardinälen, die Franziskus ernannte, stammen die meisten aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die bisher im Vatikan wenig Aufmerksamkeit genossen. Sie könnten bei der nächsten Papstwahl in dem 117-köpfigen Kardinalsgremium dafür sorgen, dass nach Franziskus erstmals ein afrikanischer Papst in den Vatikan einzieht.

Jüngstes Mitglied im Kardinalsgremium ist der Erzbischof von Bangui, Dieudonné Nzapalainga. "Dieser Pontifex liebt Afrika", schwärmt er. "Erst kürzlich hat er alle Katholiken und die ganze Welt dazu aufgerufen, für den Frieden im Kongo und im Südsudan zu beten", sagt er im Gespräch mit der DW. Der Bischof aus der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui verkörpert die Zukunft der katholischen Kirche. 2015 wurde Nzapalainga gemeinsam mit dem Imam Kobine Layam mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.

Minenfeld Myanmar

Beide geistlichen Führer setzen sich in der vom Bürgerkrieg zerrissenen Zentralafrikanischen Republik für ein friedliches Miteinander der Religionen ein - ein weiteres Markenzeichen auch von Papst Franziskus. Bei seiner Reise nach Myanmar Ende 2017 war er allerdings in dieser Mission nicht erfolgreich.

Für den brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff ist die Verjüngung des Kardinalsgremiums ein Beleg dafür, dass der Papst "eine Dynastie von Päpsten aus der Dritten Welt gründen wird". "Dieser Papst wird die Kirche verändern", prophezeite er kurz nach dem Amtsantritt von Papst Franziskus im DW-Gespräch. "Mit Franziskus zieht Frühling in die Kirche ein." Ist es vielleicht sogar ein brasilianischer Frühling? Die katholische Kirche in Brasilien mischt hinter den Kulissen mächtig mit. So war es der brasilianische Kardinal Claudio Hummes, Mitglied der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, der dem frisch gewählten Papst Bergoglio den Namen Franziskus vorschlug.

Verheiratet und geweiht

Auch bei der ersten Auslandsreise des Papstes brachte sich Brasilien in Stellung. Franziskus kam zum Weltjugendtag 2013 nach Rio. Nun bahnt sich ein weiteres kirchenpolitisches Großereignis an: Die sogenannte Amazonas-Bischofssynode 2019 im Vatikan. Dort könnte sich entscheiden, ob demnächst auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden können. Die Aufweichung des jahrhundertelang geltenden Zölibats wäre aus katholischer Sicht eine Revolution. Und genau dies ruft auch immer mehr Gegner auf den Plan. Sie wollen eine "Copacabana"-Theologie verhindern, in der Dogmen aufgeweicht und die traditionelle Kirchenlehre in Frage gestellt wird.

Der Erzbischof von Accra hält dies für übertrieben. "Ich weiß, dass einige Konservative nicht glücklich sind mit der großherzigen Haltung des Papstes", bestätigt Gabriel Charles Palmer Buckle im DW-Gespräch. Doch Franziskus habe lediglich Bischöfe und Priester darum gebeten, Barmherzigkeit walten zu lassen. "Die Kirche gehört nicht den Konservativen, sondern allen", stellt der Erzbischof klar.

Quelle: Deutsche Welle, Autorin: Astrid Prange

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