11.01.2018

Chile, Papst Franziskus, Peru

Papst-Besuch: Wie steht es um die Kirche in Chile und Peru?

Auch in Chile und Peru wird der Papst wieder an die Ränder der Gesellschaft gehen. Foto: Calixto N. Llanes/Juventud Rebelde

Mit Chile und Peru wird Papst Franziskus vom 16. bis 21. Januar zwei lateinamerikanische Länder besuchen, in denen der Katholizismus bis zum heutigen Tag eine wichtige Rolle spielt.

Seit der Conquista durch Spanien und Portugal hat der katholische Glauben großen Einfluss auf Lateinamerika und die Politik zahlreicher Regierungen gehabt.

Während dieser sich in manchen Ländern wie in Brasilien inzwischen, auch infolge des Vordringens protestantischer Sekten, deutlich abgeschwächt hat, kommt dem Katholizismus in Chile und in Peru nach wie vor große Bedeutung zu. Dem Wandel, den die moderne Gesellschaft mit sich bringt, kann er sich allerdings nicht entziehen. Die Frage lautet nur, wie die Kirche sich zeitgemäß aufstellen kann.
 
Franziskus wird Mapuche-Vertreter treffen
 
In Chile ist der Katholizismus nach wie vor sehr einflussreich. 70 Prozent der Chilenen ab 15 Jahren bezeichnen sich als katholisch. 1987 hatte Papst Johannes Paul II. dem Land einen sechstägigen Besuch abgestattet, in der Schlussphase der Pinochet-Diktatur. Papst Franziskus kommt nun in ein demokratisches Chile. Der Zeitenwandel kommt exemplarisch darin zum Ausdruck, dass er sich mit Vertretern der Mapuche treffen wird.
 
In Temuco, der Hauptstadt in der Region Araucanía - der ärmsten Chiles - wird Franziskus am 17. Januar einen „Gottesdienst für den Fortschritt der Völker“ feiern. Der Mapuche-Anführer Aucán Huilcaman rechnet damit, dass der Papst die Mapuche um Verzeihung bitten wird - so wie bereits Johannes Paul II. und Präsidentin Michelle Bachelet. Hieran habe man aber kein Interesse. Entscheidend sei, dass es zu einer Entschädigung der Opfer der Besetzung indigenen Landes komme.
 
Der Jesuit Felipe Berríos kritisiert, dass die katholische Kirche in Chile weit vom Volk entfernt sei. In der Pastoral gäben sehr konservative Gruppierungen den Ton an. Zudem hätten die Fälle sexuellen Missbrauchs bei vielen Menschen zu einem Vertrauensverlust in die Kirche geführt.
 
Peru leidet unter Gewalt gegen Frauen
 
Für Peru wird es der dritte Besuch eines Papstes sein, nach Johannes Paul II. in den Jahren 1985 und 1988. Mindestens 1,2 Millionen Menschen sollen dem katholischen Oberhaupt einen Empfang bereiten. Peru ist seit der Kolonialzeit fest im katholischen Glauben verwurzelt. Die Menschen vertreten zu einem ganz überwiegenden Teil konservative Ansichten. Franziskus kommt in ein Land, in dem Gewalt gegen Frauen ein erschreckendes Ausmaß hat und von Einzelfällen keine Rede sein kann. Laut der Verfassung aus dem Jahr 1980 handelt es sich bei Peru um einen säkularen Staat. Die katholische Kirche erhält aber umfangreiche Unterstützung von diesem. (bs)

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