20.06.2016

Lateinamerika

OAS verabschiedet erste Indigenenrechte-Charta

Ein Yanomami-Mädchen aus Watoriki, Brasilien, schmückt die Gesichter ihrer Geschwister mit der typischen Yanomami-Bemalung. Foto: Adveniat/Escher.

Nach 17 Jahren intensiver Verhandlungen hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erstmals eine Erklärung über die Rechte indigener Völker verabschiedet. Auf der Vollversammlung des Staatenbundes in der Dominikanischen Republik nahmen die Mitgliedsstaaten am Mittwoch, 15. Juni 2016, die erste Indigenenrechte-Charta an, informiert die OAS-Webseite.

Adelfo Regino Montes, Anwalt und Indigenen-Gemeindevorsteher der Mixe-Indigenen aus dem mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, lobte die Erklärung als "historischen Schritt für den amerikanischen Kontinent". Boliviens indigener Außenminister David Choquehuanca begrüßte insbesondere die Stärkung der kollektiven Rechte in Sozialem, Wirtschaft und Kultur. Die per Akklamation angenommene Grundrechte-Charta erkennt neben dem Recht auf Selbstverwaltung die gemeinschaftliche Organisation der indigenen Völker sowie ihren pluri-nationalen und mehrsprachigen Charakter an.

Vielseitiger Schutz

Festgeschrieben wurde neben dem besonderen Schutz vor Genozid das Prinzip der Selbstidentifikation ("auto-identificación"), demzufolge als indigen jede Person gilt, die sich selbst als solche identifiziert. Gestärkt wurden Mitbestimmungs- und Konsultationsrechte indigener Gemeinden bei Infrastrukturprojekten und dem Abbau von Ressourcen (Energie, Bergbau) in ihren Gebieten. Besondere Schutzmechanismen werden in freiwilliger Isolation lebenden Indigenenbevölkerungen im Amazonas zugesprochen.

Adelfo Regino zufolge hätten sich einige OAS-Mitgliedstaaten lange gegen die Annahme der indigenen Grundrechtecharta zur Wehr gesetzt. Dem politischen Engagement von Staaten wie Bolivien, Mexiko, Guatemala und Paraguay sei es schließlich zu verdanken, dass die Menschenrechte der Indigenen nach der UN-Indigenenrechte-Erklärung von 2007 auf Initiative von Bolivien nun auch in den OAS-Regularien festgeschrieben worden seien. Insgesamt leben auf dem amerikanischen Kontinent von der Arktis in Nordamerika bis nach Feuerland in Südamerika über 50 Millionen Menschen indigener Herkunft. (bb)

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