06.10.2014

Mexiko

Massengräber bei Suche nach vermisssten Studenten entdeckt

Iguala in Mexiko. Karte: Google https://goo.gl/maps/y0YMM

Von den 43 Lehramtstudenten aus Ayotzinapa, die vor über einer Woche bei einer Protestaktion in Iguala verschwunden sind, fehlt weiterhin jede Spur. Jetzt wurden mehrere Massengräber in verschiedenen Stadtteilen von Iguala entdeckt. Ob es sich bei den sterblichen Überresten jedoch um die vermissten Studenten handelt, ist bisher noch unklar. Die DNA-Untersuchungen laufen. Auch über die genaue Zahl der Leichen machte der örtliche Staatsanwalt im Bundesstaat Guerrero, Iñaky Blanco, keine Angaben. "Das Auffinden der Massengräber geht auf die Arbeit der Staatsanwaltschaft zurück, die im Laufe ihrer Ermittlungen im Fall Iguala mehrere Personen festgenommen und Verhöre sowie Zeugenaussagen ausgewertet hat", so Iñaky Blanco bei einer Pressekonferenz am 4. Oktober.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden bereits 30 Personen festgenommen, darunter 22 Polizisten. Die anderen acht Inhaftierten sind laut Sicherheitskreisen Mitlieder der Drogenkartelle "Los Rojos" und "Guerreros unidos". Zwei Zellen, die sich vom hochrangigen Beltrán-Leyva-Kartell im Westen und Zentrum des Landes abgespaltet haben. Nach bisherigen Ermittlungen handelt es sich beim Verschwinden der Studenten um eine gewaltsame Entführung, die auf den Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca Velásquez, in Zusammenarbeit mit Beamten der Gemeindepolizei und Mitgliedern des organisierten Verbrechens zurückgeht. Der Bürgermeister hatte sein Amt für 30 Tage niedergelegt, bevor er wie sein Direktor für Öffentliche Sicherheit, Felipe Flores Velásquez, vor vier Tagen untertauchte. Letzterer soll unter anderem dafür bekannt gewesen sein, Polizeifahrzeuge geklont zu haben, damit seine Einheiten "Spezialaufträge" unter dem Deckmantel  der offiziellen Ordnungshüter auszuführen konnten. 

Amnesty International und die Interamerikanische Menschenrechtskommission fordern eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle in Iguala. Ebenfalls solle die körperliche Unversehrtheit der Verletzten sowie von Anhängern der Studentenkollegs bewahrt werden.

Vor über einer Woche hatten Polizisten in Iguala, rund 185 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt, zwei Studenten erschossen, die mit anderen Kommilitonen mehrere Busse für eine Protestaktion in ihren Besitz bringen wollten. Dabei sollen auch Bewaffnete in Zivil auf die Aktivisten geschossen haben. Bei anschließenden Zwischenfällen waren vier weitere Personen getötet und mehr als 20 verletzt worden. (sck)

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