14.11.2017

Venezuela

Maduro ringt mit den Finanzmärkten

Präsident Nicolas Maduro steuert immer weiter auf eine Staatspleite zu. Foto: Reuters/Miraflores Palace

Dem venezolanischen Staat steht das Wasser bis zum Hals. Um eine Staatspleite abzuwenden, will Präsident Nicolas Maduro eine Umschuldung erreichen. Ein Treffen mit Gläubigern verlief im Sand.

Kein Staatsbankrott wurde öfter und länger befürchtet, angedroht und vorweggenommen als der Venezuelas - nicht zuletzt durch den sozialistischen Machthaber Nicolas Maduro selbst.

Für diesen Montag hatte er Gläubiger zu "Umstrukturierungsgesprächen" eingeladen. Nach einer halben Stunden war das Treffen bereits beendet. Die etwa 100 Investoren verließen die kurze Runde zwar mit Geschenktüten mit venezolanischer Schokolade und Kaffee, allerdings gab es in Sachen Staatsschulden "kein Angebot, keine Konditionen, keine Strategie, nichts", so einer der Teilnehmer. Maduro hatte im Vorfeld des Treffens weiterhin verkündet, ein Bankrott habe durch eine Umschuldung über drei Milliarden US-Dollar mit Russland verhindert werden können. Kurz darauf zahlte er Anleihen der staatlichen Erdölfirma PDVSA und des Stromunternehmens Corpoelec zurück.

Wirtschaftsexperte Francisco del Toro sieht hinter dem Chaos System: "Je undurchsichtiger der Markt, desto größer die Chancen für regierungsnahe Insider, damit Geld zu machen oder zu waschen", schreibt er in seiner Publikation "Caracas Chronicles". Durch die Panik an den Finanzmärkten, so das Kalkül, hätten venezolanische Geschäftsleute die PDVSA- und Corpoelec-Anleihen billig kaufen können, von denen sie wussten, dass die Regierung sie doch noch zurückzahlen werde.

Trotzdem rückt der Zahlungsausfall näher. Venezuela steht im Ausland mit 150 Milliarden US-Dollar in der Kreide. 50 Milliarden dieser Schulden halten private Gläubiger, gefolgt von China und Russland, bei denen Venezuela seine Schulden mit Öl und Anteilen an Raffinerien oder Erdölfeldern abstottert. Seit Monaten kommt es zu Verzögerungen bei der Rückzahlung fälliger Anleihen. Venezuela hat weniger als zehn Milliarden US-Dollar an Reserven in der Zentralbank; die Goldreserven sind bereits größtenteils an die Schweiz verpfändet. Spätestens 2018, so Finanzexperten, dürfte der Staatsbankrott unausweichlich sein.

Die Gläubiger stellen Bedingungen

Bis zum Wochenende war weder eine formale Einladung ergangen noch bekannt geworden, wo die Umstrukturierungsverhandlungen stattfinden sollen. Probleme gibt es auch, weil der designierte Regierungsunterhändler Tareck El Aissami auf der Liste der von der US-Regierung gesuchten Drogenbosse steht; jede Abmachung mit ihm ist daher strafbar. Besonders US-Hedgefonds haben in Venezuela investiert, denn die Staatsanleihen waren wegen des hochverzinsten Risikoaufschlags attraktiv. Die auf Staatspleiten spezialisierten Fonds hoffen, von Venezuela bei Umschuldungsverhandlungen noch satte Gewinne herauszuschlagen.

Wegen der Schuldenzahlungen hat Maduro immer weniger Geld, um die überlebensnotwendigen Importe zu bezahlen, die von den Lieferanten nur noch gegen Vorauskasse nach Venezuela verschifft werden. "Hungerbonds" hatte der venezolanische Ex-Minister und Harvard-Professor Ricardo Hausmann die Anleihen deshalb getauft.

Sparprogramm birgt Risiko des Machtverlusts

Für die Regierung brechen schwierige Zeiten an. Zum einen ist es unwahrscheinlich, dass die Gläubiger eine Umschuldung ohne grundlegende, marktwirtschaftliche Reformen der sozialistischen Mangelwirtschaft akzeptieren. Das hätte wahrscheinlich drastische Sparprogramme und den Machtverlust der Sozialisten zur Folge. Zum anderen besitzt Venezuela in den USA Aktiva wie eine Erdölraffinerie, betrieben von der staatlichen Tochterfirma Citgo, die von Gerichten beschlagnahmt werden könnte. Ebenso wäre mit einem Staatsbankrott der Zugang zu internationalen Finanzmärkten vorerst verschlossen. Staatliche Geldgeber wie China und Russland haben sich zwar immer wieder nachgiebig gegenüber Maduro gezeigt, erhöhten in den letzten Wochen aber den Druck auf die säumigen Venezolaner.

Durch ein Aussetzen der Schuldenzahlungen bekäme Maduro finanziell kurzfristig Luft. Das Geld, das durch den Export von täglich knapp zwei Millionen Fass Öl hereinkommt, könnte er dann statt für den Schuldendienst für den Import von dringend benötigten Nahrungsmitteln und Medikamenten verwenden. Maduro könnte so versuchen, die zur Opposition übergelaufenen Wähler zurückzuholen, um die anstehenden Gemeindewahlen und die voraussichtlich im kommenden Frühjahr anstehenden Präsidentschaftswahlen zu gewinnen.

Quelle: Deutsche Welle, Autorin: Sandra Weiss

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