13.03.2017

Mexiko

"Los Eucaliptos" – Ein Familienbauernhof und sein Samenhaus

Die bunte Vielfalt des Mais. Auf dem familiengefĂĽhrten Bio-Bauernhof "Los Eucaliptos" wird sichtbar, dass es nicht nur eine Art von Pflanzen gibt. Foto: Los Eucaliptos.

Der Bio-Familienbauernhof "Los Eucaliptos" in Guadalajara, Jalisco, fördert seit mehr als 30 Jahren die Produktion und den Erhalt einheimischer und lokaler Samen. 2010 entstand das Projekt "Semillas Colibrí" (Samen Kolibri), eine Sammlung von mehrere tausend Samensorten aus ganz Mexiko. Ziel ist es, Saatgut, Erfahrungen und Kenntnisse mit allen Interessierten und der Gemeinschaft auszutauschen, aber auch die lokale Wirtschaft zu stärken und die kulturelle Identität zu bewahren.

Die Familie Sánchez hat ihren Bauernhof zu einem internationalen Vorbild gemacht. "Unsere Salate wachsen nun sogar in Indien, das ist sehr schön", freut sich Nereida Sánchez Rubio, Tochter des Gründers. Freiwillige und Besucher haben die Samen in mehrere Länder Lateinamerikas, die USA und nach Europa gebracht. Inzwischen hat der Bauernhof von mehreren tausenden Samensorten etwa tausend identifiziert und klassifiziert.

Die Samen nutzt der Bauernhof nicht nur fĂĽr den Anbau, sondern auch fĂĽr Sensibilisierungs- und Bildungsarbeit bmit Schulen und Gemeinden. ''Los Eucaliptos'' bietet Lehrern Exkursionen auf der Farm an und fördert Schul- und Familiengärten in ländlichen und städtischen Gemeinden. Einen solchen pädagogischen Garten hat der Bauernhof zum Beispiel in Juárez im Norden des Landes angelegt. "Die Stadt ist von hoher Gewalt geprägt, ihre Bewohner haben viel Leid erfahren. Dank einfacher Aktivitäten wie Samen sähen oder Kompost herstellen haben sich sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen schrittweise heilen und erholen können. Das ist wirklich schön", sagt Mitarbeiter JosĂ© Luis. Er ist einer von mittlerweile zehn Mitarbeitern und ist fĂĽr den Bereich Umweltbildung zuständig. 

Anfänge und Herausforderungen

Guillermo Fernando Sánchez baute den Bauernhof "Los Eucaliptos" auf, weil er sich nicht nur für gesunde Lebensmittel interessierte, sondern sich auch um das Wohlbefinden der Familie und der Umwelt sorgte. Die ersten Jahre züchtete er hauptsächlich Salatsorten. Später kamen Mais-, Bohnen- und Zierpflanzenarten hinzu.

Heute befinden sich in der Samensammlung von ''Los Eucaliptos'' Samen aus den 32 Bundesstaaten Mexikos wie zum Beispiel Michoacán, Baja California, Chiapas und Tlascala. "Wir nennen unsere Sammlung Samenhaus, denn es ähnelt konzeptionell unserem Wohnhaus, dessen Türen für alle Interessierte offenstehen und dazu einladen, Samen auszutauschen, zu pflegen und mitzunehmen. Aber auch voneinander zu lernen und miteinander zu teilen", sagt Nereida. Neben 60 Salatvarianten, hat der Bauernhof 25 verschiedene Bohnensorten, 32 Maisarten sowie vier verschiedene Cempasúchilarten. Ziel ist es, zwei bis drei Sorten von jeder Spezies aus jedem Bundesstaat Mexikos in der Sammlung zu haben. Mit diesem Wissen will der Bauernhof eine Landkarte erstellen, auf der die Herkunft der Mais, Bohnen-, Salat- oder Schnittblumenart markiert wird.

Aufklärungsarbeit bezüglich Artenvielfalt

Es sei ein Missverständnis, dass heimische oder lokale Samen nicht so ertragreich und kraftvoll seien wie kommerzielle Samen. Der Grund dafür liege in mangelnden Kenntnissen von Samen, ihrer Nutzung und der Reproduktion. Für die Mitglieder des Öko-Bauernhofs sei es und ist es immer noch schwierig, diesem Missverständnis entgegenzuwirken. "Samen haben nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale und kulturelle Auswirkungen. Bestimmte Traditionen und Lebensmittel bleiben erhalten, die in manchen Regionen des Landes nicht mehr konsumiert werden", betont Nereida. Aus diesem Grund veranstaltet der Bio-Familienbauernhofseit 2016 jährlich ein "Festival der Samen", um über die Missverständnisse aufzuklären.

Lokale Samen sind an das Klima, die Bodenbeschaffenheit und die Höhenlage des Ortes angepasst und können sich optimal zu entwickeln. Nereida sieht darin einen Vorteil für die Rentabilität. Die Samen werden auch lokal konsumiert und schaffen somit eine kulturelle Identität. Kommerzielle Samen hingegen verursachen Transportkosten, Umweltschäden durch chemische Dünger und schaffen keine Arbeitsplätze auf lokaler Ebene.

Autorin: Cory Unverhau, Foto: Los Eucaliptos.

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