11.06.2018

WM-Spezial 2018

Peru - Liebes Frankreich! Wir sind wieder zurück!

Zum ersten Mal seit 1982 wieder bei einer Fußball-WM dabei: das Andenland Peru. Hildegard Willer stellt das fußballverückte Land vor, in dem bereits jetzt sämtliche Fußballsammelbilder ausverkauft sind.

Stellen Sie sich ein fußballverrücktes Land vor, dessen Hoffnung auf eine WM-Teilnahme alle vier Jahre wieder enttäuscht wird. Ein Land, in dem jedes Kind die Namen der Spieler aufzählen kann, die bei der WM 1982 dabei waren. Und dann endlich, nach 36 langen Jahren, könnte es klappen mit der WM-Teilnahme –von Peru.

Am Tag des entscheidenden Qualifikationsspiels gegen Neuseeland flogen peruanische Militärmaschinen mit aufgemalter Flagge über Lima, um ihre Mannschaft anzufeuern. Was immer es auch war, es wirkte: Peru besiegte die Neuseeländer.  Der Jubel auf den Straßen war ähnlich groß wie in anderen Ländern, wenn sie den WM-Titel erringen. In Peru reichte die WM-Qualifikation dafür. Den Tag nach dem entscheidenden Spiel rief Präsident Kuczynski zum Feiertag aus – eine populäre Geste, die ihn allerdings nicht vor seiner späteren Absetzung bewahrte. Die üblicherweise verstopften Straßen Limas waren so leer wie sonst nur am frühen Neujahrstag. Panini-Bilder sind seitdem im ganzen Land ausverkauft, Rusia – Russland – prangt auf jeder Werbung, Reisebüros verkaufen Russland-Pakete und alle Läden rüsten sich mit Trikots in der Landesfarbe. Endlich nach 36 Jahren können die Peruaner ihre Fußball-Leidenschaft wieder ausleben – dank WM-Teilnahme.

Unerlaubter Drogenkonsum entpuppt sich als Kokatee

Allerding wäre Peru nicht Peru, wenn sich nicht eine gehörige Portion Melodram in die Vorfreude gemischt hätte: Perus bekanntester Kicker und Kapitän der Mannschaft, Paolo Guerrero, war von der Fifa gesperrt worden. Eine Doping-Probe hatte Spuren eines unerlaubten Dopingmittels ergeben. Laut Paolo Guerrero hatte er nur einen Koka-Tee zu sich genommen, also eine Art peruanisches Nationalgetränk, das von der übrigen Welt fälschlicherwese als Droge klassifiziert werde. Die peruanische Nationalmannschaft würde in Russland ohne ihren Kapitän und besten Spieler antreten. Erst ein Bittgang Paolo Guerreros zusammen mit dem Präsidenten des peruanischen Fussballverbandes zur Fifa nach Zürich brachte die Wende. Kurz vor der endgültigen Nominierung der WM-Teams setzte das Schiedsgericht der Fifa Guerreros Strafe aus. Die Freude auf Russland ist in Peru nun ungetrübt, ganz Peru schwebt im siebten Fußball-Himmel. Exil-Peruaner und Migranten eingeschlossen. Beim Freundschaftsspiel gegen Saudi-Arabien am 3. Juni füllten 18.000 Peruaner aus ganz Europa das Stadion im Schweizerischen St. Gallen und gaben einen Vorgeschmack auf die Ekstase, die sich Perus Straßen bemächtigen wird, wenn die Peruaner in Russland spielen.

Und ganz egal ob Peru die zweite Runde schafft oder nicht: endlich wieder Dabeisein, ist Stoff genug für Träume und für die Erzählungen der nächsten, hoffentlich nicht wieder 36 Jahre: „Weißt Du damals, als wir bei der WM in Russland gespielt haben....?“.

Autorin: Hildegard Willer

Mit einem originellen Video stellt sich die peruanische Mannschaft ihrem Angstgegner in der Gruppe, Frankreich , vor: „Liebes Frankreich, wir sind wieder zurück:

« Zurück

Aktuelle Ausgabe:

Titelbild des Magazin Blickpunkt Lateinamerika in der aktuellen Printausgabe

Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und kann kostenlos abonniert werden.

 

Redaktion und Kontakt:
Nicola van Bonn
Telefon: +49 (0)201 1756-212
E-Mail versenden

 

DOSSIER:
Friedensprozess Kolumbien

Friedenprozess in Kolumbien - Dossier


DOSSIER:

Oscar Romero

Oscar Romero - Dossier

DOSSIER:
Mapuche

Das Indigene Volk der Mapuche - Dossier

Partner von:

Deutsche Welle ist Kooperationspartner von Blickpunkt Lateinamerika -  Logo von DW
Weihnachtsaktion 2017 - Adveniat

Weihnachtsaktion 2017

"Faire Arbeit. Würde. Helfen."