19.04.2017

Brasilien

Landesweite Proteste gegen Temer-Sparpolitik

Neben Polizisten fordert die Landlosenbewegung MST seit Jahren ihre Rechte ein (Symbolfoto).

In Brasilien hat es in den vergangenen Tagen in einigen Landesteilen unterschiedliche Proteste gegeben. Zum einen versammelten sich am Dienstag, 18. April 2017, mehrere hundert Polizisten vor dem Kongressgebäude in Brasilia, um gegen die geplante Rentenreform zu demonstrieren. Sie hebt des Renteneintrittsalters auf 65 an und sieht das Recht auf Bezüge erst nach vollendeten 25 Dienstjahren vor. Die Proteste verliefen vorerst friedlich, bis eine Gruppe der Demonstranten versuchte, das Kongressgebäude zu stürmen. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas ein und es kam vereinzelt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Michel Temer unter Druck

Die brasilianischen Polizisten sind nicht die einzigen, die sich gegen die Politik des Präsidenten Michel Temer und seiner Regierung auflehnen. Bereits seit Beginn dieser Woche sind landesweit Mitglieder der Landlosenbewegung (MST) auf die Straßen gegangen und haben Farmen besetzt. Die 21. Jährung des Massakers von Carajas nahm die MST zum Anlass, um ihren Unmut darüber Ausdruck zu verleihen, dass Temer die Ausgaben für eine umfassende Landreform, und somit auch die Rückgabe von Land an ihre ursprünglichen Besitzer, reduziert hat. Sie werfen ihm darüber hinaus vor, die Landwirtschaft mehr und mehr zu privatisieren.

Landkonflikt eskaliert

Laut der katholischen Landpastortal wurden vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise auch die Ausgaben für die staatliche Indigenenbehörde ''Funai'' gekürzt. Diese Kürzung sei unter anderem für eine Eskalation der Gewalt im Zusammenhang mit dem Landkonflikt verantwortlich. Offiziellen Zahlen zufolge gab es im Jahr 2016 allein 62 Morde, 22 Prozent mehr als 2015. Dazu kamen 74 Mordversuche sowie 200 Morddrohungen.

Gewalt nimmt zu

Die Konflikte konzentrieren sich den Angaben der katholischen Kirche zufolge an der Südgrenze der Amazonasregion, wo sich derzeit verstärkt die Agrarindustrie ausbreitet. Insgesamt wurden 1.295 Auseinandersetzungen verzeichnet. Der Jahresreport registrierte zudem 172 Konflikte um den Zugang zu Wasser sowie 69 Verletzungen des Arbeitsrechts. Die Zahlen für 2016 seien die höchsten seit Beginn der Erfassung der Daten durch die Landpastoral im Jahr 1985.

Die Proteste der MST sollen noch bis einschließlich Donnerstag, 20. April 2017, fortgesetzt werden. (aj)

Unterstützung für Indigene aus Deutschland

Der Indigenenmissionsrat Cimi (Conselho Indigenista Missionário) tritt in Brasilien als Anwalt der indigenen Völker auf. Das Überleben der Ureinwohner würde vor allem in den Medien entschieden: Wenn man die öffentliche Meinung für das Anliegen der Indigenen gewinnen kann, bestehe Hoffnung. Doch indigene Schutzgebiete sind der einflussreichen Agrarlobby ein Dorn im Auge.

Cimi veröffentlich jährlich einen Report mit Unterstützung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, der die Gewaltbereitschaft gegen Indigene eindrucksvoll. "Man hält die indigene Kultur für primitiv und der der Weißen unterlegen", erklärt Cimi-Präsident Dom Roque Paloschi. Dabei sei es die weiße Kultur, die Kulturen und die letzten Naturparadiese des Kontinents vernichtet. Brasiliens Gesellschaft habe den Indigenen gegenüber eine 500 Jahre alte Bringschuld. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass sie endlich bezahlt wird."

Helfen Sie mit Ihrer Spende die Gewalt gegen die rund 850.000 Angehörige indigener Völker in Brasilien zu dokumentieren und Cimi dabei, die Rechte der Indigenen durchzusetzen.

Adveniat-Spendenkonto 17345
bei der Bank im Bistum Essen (BLZ 360 602 95)
Verwendungszweck: "Indigenen-Missionsrat BRA"
BIC: GENODED1BBE
IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45

Symbolfoto: Caio Vinícius Reis de Carvalho/MST,CC BY-SA 2.0.

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