08.11.2018

Mexiko

Kirche setzt sich für Migranten ein

Mit diesen Schuhen sind honduranische Migranten bis nach Chiapas gelaufen, wo sie sich in einer kirchlichen Herberge für ein paar Tage von den Strapazen erholen. Vor ihnen liegen noch mehr als 1.000 Kilometer. Foto: Adveniat/Matthias Hoch

Hilfsappelle und konkrete Unterstützung: Die Kirche in Mexiko wird für die Migrantenkarawanen aus Mittelamerika zum wichtigen Helfer auf ihrem Weg Richtung USA. Die Meldung von angeblich entführten Migranten hat sich als falsch entpuppt.

Für seinen Aufruf wählte der Erzbischof von Mexiko-Stadt, Kardinal Carlos Aguiar Retes, bewusst die Sozialen Netzwerke. Per Videobotschaft rief er seine Landsleute zu Unterstützung und Schutz der Migranten auf, die das Land derzeit auf dem Weg in Richtung USA durchqueren: "Das sind Leute, die ihr Zuhause, ihr Land, ihre Kultur, ihre Familien aus einer Notlage heraus verlassen haben", appellierte Aguiar Retes am Dienstag, 6. November 2018 (Ortszeit).

Auch der Generalsekretär der Mexikanischen Bischofskonferenz, Weihbischof Alfonso Miranda aus Monterrey, rief zu Hilfe auf: "Man kann angesichts der Not dieser Menschen nicht die Augen und Herzen verschließen und die Hände ruhen lassen", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Mexiko-Stadt. Die Appelle haben ihre Ursache: Einerseits sind nach den jüngsten Naturkatastrophen, Erdbeben und Wirbelstürmen auch viele Mexikaner selbst auf Hilfe angewiesen. Andererseits steht laut Umfragen mindestens jeder dritte Mexikaner den Neuankömmlingen skeptisch gegenüber. Sie befürchten eine Zunahme von Arbeitslosigkeit und Kriminalität.

Drei Migrantengruppen auf dem Weg in die USA

Ihren Ausgang nahm der erste Treck vor gut zwei Wochen in der als besonders gefährlich geltenden Stadt San Pedro Sula in Honduras. Den Migranten gelang es, die Grenzen erst nach Guatemala und auch nach Mexiko zu überwinden und die wegen Überfällen berüchtigte Berglandschaft Chiapas unbeschadet zu durchqueren. Ziel ist der Grenzübertritt in die USA. Allerdings hat US-Präsident Donald Trump immer wieder erklärt, die Menschen nicht ins Land lassen zu wollen. Stattdessen ordnete er zusätzliche militärische Absicherung der Grenze an.

Inzwischen sind zwei weitere Karawanen aufgebrochen. Eine Gruppe mit etwa 1.500 bis 2.000 Menschen befindet sich gegenwärtig im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Eine dritte Gruppe mit 2.000 Migranten überwiegend aus El Salvador plante, am Mittwoch, 7. November (Ortszeit), den Bundesstaat Chiapas in Richtung Norden zu verlassen. Wann sie in Mexiko-Stadt eintreffen, ist noch nicht abzusehen.

Mexiko-Stadt bereitet sich auf Ankunft von 5.000 Migranten vor

Am weitesten hat es bislang die erste Gruppe geschafft, überwiegend mit Migranten aus Honduras. Medienberichten zufolge sind mehr als 2.000 Migranten in einem improvisierten Flüchtlingsheim nahe der Basilika von Guadalupe in Mexiko-Stadt untergebracht. Dort warten sie auf die Ankunft weiterer Migranten, die noch auf dem Weg aus dem Bundesstaat Veracruz oder aus Puebla sind.

Auch dort nutzten viele die Flüchtlingsunterkünfte der Kirche. Insgesamt bereiten sich die Behörden in der mexikanischen Hauptstadt auf die Ankunft von rund 5.000 Migranten vor. Wenn sie alle eingetroffen sind, sollen Beratungen über das weitere Vorgehen aufgenommen werden. Unterdessen stellte etwa die Hälfte der Teilnehmer der ersten Karawane laut Medienberichten Asylanträge in Mexiko. Obwohl darüber noch entschieden wird, wurden bereits zahlreiche Arbeitserlaubnisse erteilt.

Angeblich entführte Migranten wieder aufgetaucht

Der Priester Alejandro Solalinde, der wegen seines langjährigen Flüchtlingsengagements den nationalen Menschenrechtspreis erhielt, glaubt, dass sich ein Großteil der Migranten für eine Zukunft in Mexiko entscheiden könnte. Es gäbe in Mexiko genug Arbeit für die Ankommenden, zitieren ihn mexikanische Medien.

Rund um die Karawane gibt es auch diverse Gerüchte. Ein Aktivist berichtete, 100 Migranten seien unterwegs von Mitgliedern eines Drogenkartells entführt worden. Die Meldung war von russischen Sendern verbreitet worden. Wenig später berichteten mexikanische Medien allerdings, die als verschollen geltenden Migranten seien in Puebla wiederaufgetaucht. Unterdessen setzten Bischöfe aus Mexiko und den USA ein gemeinsames Zeichen: Sie feierten an der Grenze einen gemeinsamen Gottesdienst.

Quelle: KNA, Autor: Tobias Käufer

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