17.03.2017

Guatemala

Kirche gibt Guatemalas Regierung Schuld an Brandunglück

Nach dem Brand in einem Heim für misshandelte Mädchen in Guatemala haben die katholischen Bischöfe schwere Vorwürfe gegen staatliche Instanzen erhoben. Das Unglück mit rund 40 Toten sei "kein einfacher Unfall, sondern die tragische Folge einer irregulären Situation, die schon unzählige Male angezeigt worden ist", erklärte der Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenz, Bischof Gonzalo de Villa y Vasquez, laut dem vatikanischen Pressedienst Fides am Donnerstag, 16. März 2017.

De Villa y Vazquez verlangte eine Aufklärung des Vorfalls und eine "gerechte Bestrafung" der Verantwortlichen. Nötig seien auch rasche Maßnahmen, um zu verhindern, dass sich ein derartiges Unglück wiederholt, so der Vorsitzende zum Abschluss der Vollversammlung der Bischofskonferenz am Mittwoch in Guatemala-Stadt.

Durch den Brand in dem Heim "Virgen de la Asuncion" vor einer Woche kamen laut guatemaltekischen Medien 40 Mädchen und weibliche Jugendliche ums Leben; viele erlitten teils lebensbedrohliche Verbrennungen. Das Feuer brach aus, als die Minderjährigen gegen Gewalt und Übergriffe in der völlig überfüllten Einrichtung protestierten.

Im Zuge von Ermittlungen wurden zwischenzeitlich Sozialminister Carlos Rodas, die frühere Staatssekretärin Anahi Keller und der frühere Heimleiter Santos Torres festgenommen. Ihnen werde unter anderem fahrlässige Tötung, Misshandlung von Minderjährigen und eine Verletzung ihrer Amtspflichten vorgeworfen.

Druck auf die Regierung wächst

Das UN-Menschenrechtskommissariats und die UN-Kinderschutzorganisation Unicef verlangten von der Regierung Guatemalas laut nationalen Medien dringend strukturelle Reformen bei der Jugendfürsorge. Tragödien wie der Brand und Missbrauch von Minderjährigen in Heimen dürften sich nicht wiederholen.
Unterdessen gingen am Mittwoch in Guatemala-Stadt laut Medienberichten Hunderte Studenten auf die Straße; sie verlangten eine Aufklärung des Unglücks (Video unter dem Artikel).

Mit Blick auf eine Woche ohne Ermittlungsergebnisse warfen sie der Justiz Versagen vor. Die Toten seien Opfer von "Staatsmorden", die nicht ungesühnt bleiben dürften, hieß es. Papst Franziskus hatte am Sonntag Betroffenheit über das Unglück bekundet und zum Gebet für die Opfer und ihre Familien aufgerufen.

Quelle: KNA.

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