19.04.2017

Brasilien

Keine Handschellen für weibliche Häftlinge bei Geburt

Frauen in brasilianischen Haftanstalten wurden bisher bei der Geburt und den Nachuntersuchungen Handschellen angelegt. Symbolfoto: Steven Depolo, CC BY 2.0.

Weibliche Häftlinge dürfen bei der Geburt ihres Kindes in brasilianischen Gefängnissen nicht mehr gefesselt werden. Wie brasilianische Medien am Freitag, 14. April 2017, berichteten, wurden Frauen in Haftanstalten bisher bei der Geburt und den Nachuntersuchungen Handschellen angelegt. Die Gesetzesänderung trat mit der Veröffentlichung im staatlichen Amtsblatt am Donnerstag in Kraft. Bisher wurden die Frauen wegen Fluchtgefahr mit Handschellen gefesselt und an das Krankenhausbett gekettet.

Menschenrechtsgruppen hatten gegen diese Praxis der Gefängnisverwaltungen gekämpft. So könne das Fesseln zu Komplikationen bei der Geburt führen. Rund zwei Drittel aller weiblichen Gefangenen in Brasiliens Gefängnissen sind im Alter von 18 bis 34 Jahren. Meist sind sie wegen Drogenvergehen verurteilt worden.

Seit dem Inkrafttreten eines strengeren Drogengesetzes im Jahre 2006 ist die Zahl weiblicher Gefangener regelrecht explodiert. Zwischen 2007 und 2014 nahm ihre Zahl um 560 Prozent zu. Laut Untersuchungen erleiden 95 Prozent der Frauen Gewalt in den Anstalten.

Laut Gesetz dürfen die in der Haft geborenen Kinder bis zum sechsten Lebensmonat bei der Mutter bleiben. Findet sich danach kein Verwandter, der sich um das Kind kümmert, kann es zur Adoption freigegeben werden.

Quelle: KNA, Foto: Steven Depolo/Handcuffs,CC BY 2.0.

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